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II. Buch. Der Güteraustausch.
und mehr gebräuchlich, daß die Geschäftsleute, deren Betrieb sich über den
bescheidensten Umfang erhebt, und auch die übrigen über ein irgendwie be
deutenderes Vermögen verfügenden Personen ein Depot bei einer Bank oder
einem Bankier besitzen und alle großen Zahlungen in der Art vornehmen,
daß sie einen Check, d. h. einen schriftlichen, an ihren Bankier gerichteten
Zahlungsauftrag ausstellen. Dabei hat es indessen in den meisten Fällen
noch nicht sein Bewenden. Nur ein kleiner Theil der Checks wird von den
Bankgeschäften wirklich in Gold oder in andern Umlaufsmitteln ausgezahlt-
Die meisten oder sehr viele von denjenigen, welchen sie ausgehändigt werden,
übermitteln die empfangenen Checks vielmehr ihrem Bankier. Ist dieser nun
zugleich derjenige des Ausstellers, so begnügt er sich damit, die betreffenden
Ziffern in seinem Rechnungsbuche zu ändern und den Betrag von dem Gut
haben des Ausstellers ab- und demjenigen des Empfängers hinzuzuschreiben,
ohne daß eine Zahlung erfolgen würde. Wenn aber, wie es sehr wê
scheinlich ist, der Aussteller und der Empfänger des Checks nicht mit einem
und demselben Bankier in Verbindung stehen, so geschieht nichtsdestoweniger
in der Hauptsache ganz dasselbe. Die Vertreter aller Bankiers einer ^
stimmten Gegend kommen nämlich regelmäßig in einem AbrechnungshauU
zusammen, wo alle Checks und alle Wechsel, die ein jedes Bankgeschäft zu
zahlen hat, mit denjenigen, die es einzuziehen hat, verglichen werden, so bast
nur der Ueberschuß der Summe der einen über den Gesamtbetrag der ander
ausbezahlt bezw. in Empfang genommen wird. Auf diese Weise werdeu
fabelhaft große Beträge beglichen, ohne daß Zahlungen zu erfolgen brauchten-
So werden in dem großen Londoner Clearinghaus jährlich Schuldforderunge
im Betrage von fünf bis sechs Milliarden Pfund Sterling beglichen,
daß man zu diesem Behufe auch nur eines einzigen Sovereigns bedürft
Für die auszuzahlenden Ueberschüsse werden Checks auf die Bank of
land ausgestellt, bei der sämtliche Bankiers ein Conto haben. Könnte da
Unmögliche möglich gemacht und diese riesige Menge von Geschäften ķ
Zuhilfenahme von Checks und Wechseln abgewickelt werden, so würde
dazu wahrscheinlich einen Betrag von nicht weniger denn 50 Millionen Pf""
Sterling Gold nothwendig haben.
So hat sich aus den Hinterlege-, Giro-, Depositenbanken, oder wie
Institute dieser Art, bei denen von einer größern oder geringern Anzahl V
Ionen Summen Geldes zum Ersätze der Barzahlungen durch bloßes Ab- "
Zuschreiben in den Rechnungsbüchern niedergelegt wurden \ sonst heĢ
mögen, das großartige Clearingsystem entwickelt. Wie viele Etappen muß
aber zurückgelegt werden, seitdem sich einige Bankhäuser um das Jahr 1
1 Mar perger, Beschreibung der Banken. Leipzig 1723.