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III. Buch. Die Vertheilung der Güter.
können — alle diese Thatsachen müssen eine vermehrte Nachsrage nach den
Bodenerzeugnissen der außereuropäischen Länder und also eine entsprechen
Steigerung der Grundrente zur Folge haben und der normalen Haussebewegung
derselben wieder zum Durchbruch verhelfen. ,
Ganz anders verhält es sich dagegen mit dem Darlehenszinse. Terse
steht in Ländern, die sich noch auf einer niedern Stufe der wirtschaftlich
Entwicklung befinden, sehr hoch; denn einerseits mangelt noch der Anspo
zur Gewährung von Darlehen, wie ihn die allenthalben vorhandene ^
lichkeit zu fruchtbringender Anlage seiner Ersparnisse bietet; es gibt eben n
wenige Gelegenheiten zu solcher Anlage, und für viele ist es obendrein
leicht, diese Gelegenheiten ausfindig zu machen. Andererseits aber e#**
die auf solchen Culturstufen so weit verbreitete Neigung zu reichlichstem '
nusse von Speise und Trank sowie die in wenig entwickelten Gemeinwesen 1
vielfach übliche Haltung einer zahlreichen, kampfbereiten Dienerschaft a-
Sparen in hohem Grade. Aus solchen Gründen erklärt sich die gera ^
erschreckende Höhe des Zinsfußes im Mittelalter. Nachdem derselbe noch 1
Westgotenreiche laut der Bestimmung der Lex Visigothorum bei e
darlehen nur 12 1 / a % betragen, obgleich dazumal schon jene Abnahme
Geldvorrathes begonnen hatte, welche in der karolingischen Zeit ihren
Punkt erreichte, steigerte er sich zu solcher Höhe, daß im mittelalterlichen Han ^
und Wechselverkehre 40 und 50% ganz gewöhnlich waren, und zwar
am päpstlichen Hofe L Im 12., 13. und 14. Jahrhundert nahmen
lombardischen und jüdischen Bankiers in Frankreich und England meist -
woraufhin dann Philipp der Schöne von Frankreich den gesetzlichen 3^'
mit 20 o/o festsetzte. In Italien, dem damals am höchsten cultivirten Uy ^
war er dagegen vielfach niedriger. So wurde der gesetzliche Zin-ş^'
Verona im Jahre 1228 mit 12V 2 °lo, in Brescia im Jahre 1268 mit
fixirt. Dazumal bestanden von Ort zu Ort bedeutende Differenzen des Ö
fußes, aber eine Tendenz zum Sinken desselben war auch schon in
Zeiten nicht zu verkennen. In Oberitalien sind, wie Cibrario berichtet, ^
rend des 14. Jahrhunderts allerdings noch Verzinsungen von 20 un ^
aber auch solche von 10 und 5^/2 °/o nachweisbarAuch dazumal
es eben sehr viel auf die Verhältnisse an, welche naturgemäß sehr vers« ^
sein konnten. Die Größe des Risicos wie die Gewinnaussichten der ha ^
treibenden Schuldner übten auf die Höhe der Zinsen einen sehr bedeute ^
Man muß sich daher davor hüten, die im spätern Mi
Einfluß aus.
» G. Ratzinger a. a. O. 276 ff., wo ganz überraschende Beispiele
werden.
2 Roscher a. a. £. 390.
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