Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

6

Die  Gewerbetreibenden.

8i

3-  Johannes  Flaminch,  pelli/ex;
4-  Hey  no  de  Arnem,  sutor^  d.  h,  aus  Arnhem  im  holländischen
(ieldernland;
5-  hredericus  de  Casselm,  d.  h.  aus  Cassele  nö  das  S.  Omer.
(ehern,  flandrisch).
Hie  wenigen  Angaben  werden  immerhin  belegen,  dass  gewöhnheitsmässig
  deutsche  Gewerbetreibende  nach  Riga  und  Reval  sich
Wandten.  Eine  Vorschrift  zum  Wandern,  ein  Wanderzwang,  wie
*hn  das  Zunftwesen  späterer  Zeit  kannte,  ist  freilich  im  vierzehnten
Jahrhundert  nicht  nachzuweisen.  Vielmehr  stossen  wir  in  manchen
Handwerken  auf  ein  Wander  verbot,  um  die  Kenntniss  von  der
^^worbenen  Geschicklichkeit  nicht  in  die  Welt  hinaustragen  zu
s^hen  und  dadurch  überall  Konkurrenten  erwachsen  zu  lassen,
‘^o  z.  H.  bei  den  lübeckischen  Bernsteindrehern  und  insbesondere ­
  in  Nürnberg,  bei  der  Metallverarbeitung,  die  hier  stark  vertreten ­
  war  und  zum  Theil  die  Produktion  für  den  grossen  Markt
^onopolisirte  h  Gleichwohl  hat  man  in  mehreren  Handwerkstatuten ­
  des  vierzehnten  Jahrhunderts  Vorschriften  über  die  Behandlung
zureisender  oder  abreisender  Knechte,  die  es  beweisen,  dass  das
andern  der  Gesellen  schon  damals  nicht  selten  war.  Im  fünfzehnten
Jahrhundert  häufen  sich  die  Verfügungen  betreffs  der  wandernden
'Gsellen,  und  ist  ein  Zwang  zum  Wandern,  wenn  auch  nicht  allgeso
  doch  vielfach  ausgesprochen  *.  Lag  somit  in  den  deutschen
Zurichtungen  selbst  ein  Anlass  zum  Wandern,  und  ergriff  der
^^tn  bei  Zunahme  der  Bevölkerung  die  Gewinnung  des
"  ^•sterrechts  in  der  Heimath  erschwert  wurde,  gerne  die  Gelegenheit,
an  Orten  niederzulassen,  die  erst  im  wirthschaftlichen  Aufschwung ­
  begriffen  waren,  so  verfehlte  man  in  Livland  ausserdem
t*>cht  in  gewissen  Fällen  Gewerbetreibende  direct  zu  berufen,  wenn
'tzan  ihrer  bedurfte  und  ihre  Geschicklichkeit  im  Lande  eingebürgert
sehen  wünschte.  Der  Komtur  von  Fellin  verschrieb  sich  1424
Preussen  einen  Aderlasser*,  und  wenn  statt  des  erbetenen  sich
^®gar  zwei  einstellten,  so  ist  es  ein  Beweis  für  die  Bereitwilligkeit
J^uerj^gjge  nach  Livland  überzusiedeln.  Um  dieselbe  Zeit,  1425,
g  '  ^‘^Ueda,  Lühische  Bernsteindreher  in  Mitth.  d.  Ver.  f.  Lübeck.  Gesch,  1886,
Cq  Schönlank,  Zur  Geschichte  altnürnbergischen  Gesellenwesens  in
g  Jahrbüchern  für  Nationalökonomie  N.  F.  19,  S.  60a.
deuts  deutsche  Handwerk,  S.  345  ff-  Schanz,  Zur  Geschichte  der
in  Gesellen.Verbände,  S.  10.  Ders.,  Zur  Gesch.  der  Gesellenwanderungen
a  "fads  Jahrbücher  38,  S.  313  u.  343.  Bücher,  a.  a.  O.  I,  154.
•  h..  C.  Urk.  7,  Nr.  76.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.