Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Die  Gewerbetreibenden.

Hess  Reval  aus  Greifswald  einen  Giesser,  Hans  Karle,  kommen,  |
der  sein  Gewerbe  gut  verstanden  haben  muss,  da  der  Vermittler
ihm  nachrühmt,  dass  er  „unmaten  kostlik  luerk  ghezeen,  dat  he
ghoten  unde  maket  hefV'^.  Beim  Bau  der  St.  Petrikirche  in  Riga  |
in  den  Jahren  1408—9  war  Meister  Johann  Rumeschottel  aus  Rostock  j
thätig,  den  der  Rath  durch  Vermittelung  eines  gewissen  Johann  1
Peterssen  zu  Rostock  gewann  „tho  murende  sunte  Peters  kerkert“  1
Als  Reisegeld  „do  he  van  Rostecke  qwam”  wurden  ihm  zwei  Mark
bewilligt.  Im  Jahre  1436  langte  in  Reval  ein  Ziegelstreicher  an,  den  ;
der  Ordensmeister  aus  Deutschland  verschrieben  hatte  in  der  Absicht
ihn  nach  Narva  zu  schicken,  wo  er  eine  Ziegelei  anlegen  sollte®.
Selbst  Posaunenbläser  und  Notare  besorgte  man  sich  aus  Deutschland ­
  \  und  der  Münzmeister  Wolfgang  Nothaft  Hess  1528  Gesellen
„hir  int  tajid  der  mtmthe  halven  kanten“^.  Der  Rothgiesser  Hans
Meyer  bewog  1588  einen  Gesellen  in  Lübeck  seinen  dortigen  Meister
zu  verlassen  und  zu  ihm  nach  Riga  überzusiedeln®,  und  den  ersten  1
Buchdrucker,  Nicolaus  Mollyn,  Hess  der  rigische  Rath  gleichfalls
aus  Deutschland  in  demselben  Jahre  kommen
Für  Livland  musste  dieser  unaufhörliche  Zufluss  die  grösste  1
Bedeutung  haben.  Die  neuen  Ankömmlinge  brachten  die  Fort-  ’
schritte  der  sich  erweiternden  Technik  mit,  sie  halfen  unbekannte
Gewerbezweige  einbürgern  und  unterstützten  jedenfalls  die  Be-Ziehungen
  zwischen  dem  Mutterlande  und  seinen  Kolonien.  Ereigneten ­
  sich  auch  bisweilen  VerdriessHchkeiten,  wie  sie  der  Revaler
Rath  1544  mit  dem  aus  Lübeck  stammenden  Schmiedemeister  l'homas
Burmeister  erfuhr®,  so  war  im  Allgemeinen  das  Ergebniss  gewiss
ein  zufriedenstellendes.  Dank  diesem  Verkehr,  der  in  späterer
Zeit  noch  zunahm,  hat  Rigas  Gewerbewesen  sich  stets  im  Einklang
mit  den  Errungenschaften  der  westlichen  Schwesterstädte  zu  halten
vermocht.  Wie  viele  dieser  Fremdlinge  dauernd  im  Lande  blieben,
das  „Livland“  in  ein  „Blivland“  verwandelnd,  wie  Balthasar  RüssoW
’  L.  E.  C.  Urk.  7,  Nr.  391.
2  Girgensohn,  Zur  Baugeschichte  der  Petrikirche  in  Riga  in  Mitth.  a.
livl.  Gesch.  14,  S.  184,  188,  189.
L.  E.  C.  Urk.  9,  Nr.  92.
*  L.  E.  C.  Urk.  8,  Nr.  643;  7,  Nr.  577.
5  Napiersky,  Lib.  red.  Ill,  214.
c  'I'h.  Hach,  Über  Rigasche  Erzgiesser  in  Mitth.  des  Ver.  f.  lüi).  Gesch.  •'
S.  138.
7  Buchholtz,  Geschichte  der  Buchdruckerkunst  in  Riga,  S.  17.
*  Stieda,  Einige  Aktenstücke  zur  Gesch.  des  Revaler  Gewerbewesens  i'”  ^
16.  Jahrh,  in  Beiträge  z.  Kunde  E.  L.  K.  4,  8.  119,  122.
            
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