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Die Organisation
der Gewerbetreibenden in Ämtern.
Mitglieder der grossen Gilde haben dann auch die Taielgil^j
im Jahre 1425 zur Unterstützung der Armen gestiftet. Als Entgelt 1
für die übernommenen Zahlungen werden zum Seelenheile der
Mitglieder Messen gelesen und Gebete verrichtet. Das gesellige
Moment ist keineswegs ausgeschlossen; einmal im Jahre wenigstens
versamrneln sich (leni Scliragen gemäss (he Zugehörigren der(.,l(ie
zu einem gemeinsamen Mahle. In nachreformatorischer Zeit, wo mit
dem Auf hören der kirchlichen Gebräuche in der Gilde eine Änderung
des Charakters eintreten musste, wurden und werden bis auf den
heutigen Tag die Zinsen der angesammelten Kapitalien zur Unter
stützung Hilfsbedürftiger angewandt; somit könnte man die Tafel-
gilde als die älteste Unterstützungskasse Rigas bezeichnen.
Die Kompagnie der Schwarzen Häupter gehörte zur Kate- :
gorie jener zahlreichen Hrüderschaften des Mittekdter^ die aus I
dem Bedürfnisse gleichartiger Elemente der städtischen Gesellscha t
nach Befriedigung ihrer religiösen und gesellschaftlichen Interessen i
hervorgregarijgen sind. In dieser C^ikle abier traten die rel^rRisen ¡
Übungen den geselligen Unternehmungen gegenüber mehr in den
Hintergrund, eine Erscheinung, die der Natur der Verbindung voll
kommen entsprach, da die Mitglieder grösstentheils aus den jungen ,
Kaufleuten, dann aus Schiffern und Goldschmieden heryorgingen-
Die Gilde der Schwarzen Häupter vereinigte demnach in sich die |
männliche Jugend der wohlhabendsten Klasse der GesellschaÜ, ^
man könnte sagen der rigischen Aristokratie. Wie überall in '
ähnlichen Verhältnissen, so bildeten auch hier den Mittelpunkt des
Lebens die Freuden und Lustbarkeiten, deshalb machten auch den j
wichtigsten Gegenstand ihrer Interessen die Trinkgelage und hast-
nachtvergnügungen, die Schützen- und Maigrafenfeste, aus. Ihren ,
Namen erhielten die Schwarzen Häupter nach ihrem Schutzpatron,
dem heiligen Mauritius, jenem christlichen Mohren, der den Märtyrer-
tod starb und als Beschützer der strebsamen Jugend verehrt wiO •
Einen militärischen Charakter, wie wiederholt behauptet worden
ist, haben die Schwarzen Häupter nicht besessen, wenngleich diC ,
Mitglieder in Zeiten der Noth, wo die Stadt von Feinden bedroht
war, Kriegsleistungen auf sich nahmen und durch 1 apferkeit sich
hervorthaten. Die Ausübung militärischer Obliegenheiten war eine
Bethätigung ihrer Bürgerpflicht, der alle männlichen Einwohner
nachkommen mussten. Den Schwarzen Häuptern, den lebensfrohen
und unternehmungslustigen jungen Leuten in Riga, konnte eine
derartige Verpflichtung nur erwünscht sein; gewährte sie doch