Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

Der  Aufschwungs  der  Handwerksämter  im  i6.  Jahrhundert.

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offenbar  das  (iesellenbuch.  Alle  vier  Wochen  versammelte  man
Sich  und  veranstaltete  eine  „Umfrage“,  ob  die  Gesellen  gegen  einander ­
  was  vorzubringen  hätten.  Nach  Ausgleichung  der  Streitigkeiten, ­
  falls  diese  vorgekommen  waren,  blieb  man  beim  Trünke
zusammen,  zu  dessen  Bestreitung  Jeder  alle  4  Wochen  einen  kleinen
Beitrag  beisteuerte;  bei  den  Schlossergesellen  4  rig.  Schillinge,
^^iese,  sowie  die  für  Übertretung  der  Statuten  oder  sonst  zu  zahlenden ­
  Brüche  und  Strafgelder  flössen  in  eine  gemeinsame  Kasse  —
Büchse.  Bei  den  „Schenken“  und  Zusammenkünften  wurde  auf
■Zustand  und  gesittetes  Betragen  gesehen  ;  über  das,  was  auf  ihnen
sich  ereignete,  vierteljährlich  den  Meistern  Rechenschaft  abgelegt,
■^us  der  Büchse  wurden  auch  die  Unterstützungen  in  Krankheitsfällen ­
  gezahlt.  Doch  hatte  bei  den  Schneidern  der  Meister  die
^  orpflJchtung  übernommen  für  die  erkrankten  Gesellen  zu  sorgen,
sei  denn,  dass  sie  durch  eigene  Verschuldung  sich  die  Krankheit
^ogezogen  hatten.
Kam  nun  ein  Geselle  nach  Riga,  so  musste  er  im  Kruge  oder
^or  Amtsherberge  absteigen,  wo  die  Oertengesellen  täglich  vor-^ptachen,
  um  sich  nach  den  Fremdlingen  zu  erkundigen.  Er  wurde
einem  Trünke  bewillkommnet  und  sein  Namen  in  das  Gesellenkuch
  eingetragen,  wofür  er  eine  Kleinigkeit  zu  zahlen  hatte,  dann
^GrschafFte  man  ihm  eine  Stelle,  und  die  beiden  Oertengesellen
leiteten  den  Fremden  in  die  Werkstätte,  die  er  gewählt  hatte,
^oi  den  Tischlern  wenigstens  gab  der  Meister  bei  dieser  Gelegenheit
5  Kannen  Bier  zum  Besten,  ln  der  Ausübung  der  übernommenen
^»■fieit  war  den  Gesellen  treue  Pflichterfüllung  an’s  Herz  gelegt,
^^or  Arbeitstag  dauerte  bei  den  Tischlern  von  5  Ehr  Morgens  bis
^  Ehr  Abends;  bei  den  Schlossern  von  4  Uhr  Morgens  bis  7  Uhr
^kends;  bei  den  Schneidern  wird  nur  die  Zeit  des  Aufstehens  und
^^hlafengehens  bestimmt,  ersteres  zu  5  Uhr  im  Sommer  wie  im
foter,  letzteres  zu  9  Uhr  Abends.  Die  wirkliche  Arbeitszeit  wird
Abrechnung  der  Pausen  und  Mahlzeiten  kaum  11  Stunden
^kerschritten  haben,  wenn  auch  bei  den  Schlossern  nominell  der
^'■keitstag  15  Stunden  umfasste.  Nach  Feierabend  durften  die
^Sellen  für  sich  arbeiten,  was  insbesondere  bei  den  Schlossern
Senau  geregelt  war.  Der  Sonntag  scheint  nach  den  Vorgängen
den  Schneidern  ihnen  nicht  völlig  frei  gegeben  gewesen  zu
Ein  Wechsel  der  Werkstätte  stand  dem  Gesellen  natürlich
^loch  durfte  er  nur  des  Sonntags  austreten  und  an  demselben
nach  einer  neuen  Stelle  sich  umsehen.  Andernfalls  musste
            
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