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Der Aufschwung der Handwerksämter im 16. Jahrhundert.
Auch das Schuhmacheramt besass im fünfzehnten Jahrhundert,
wahrscheinlich schon früher, kleine Häuser in der Schuhstrasse,
dem Fleischscharren gegenüber Auch die Hier- und die Losträger
besassen eigene Häuser, die in der Schweinestrasse, nur durch ein
Gebäude von einander getrennt, sich befanden*. Die ersteren Hessen
das ihrige im Jahre 1516 mit einem Kostenaufwand von 38 Mark*
umbauen und scheinen überdies noch andere Häuser besessen zu
haben. Wenigstens kassirten sie 1515 35 Mark (Miethe?) von dem
sogen, grauen Hause auf dem Petrifriedhofe ein‘‘. Wegen eines
ihrer Häuser hatten die Hierträger später einen Process mit Nico
laus Holste, der im Jahre 1529 zu ihren Gunsten entschieden wurde*,
und verbauten im folgenden Jahre abermals eine Summe von
20 Mark und einigen Ferdingen, die sie durch den Verkauf eines
Agnus Dei gelöst hatten
Deutlicher als diese spärlichen Nachrichten beweisen die in den
dreissiger und vierziger Jahren des sechszehnten Jahrhunderts m
den livländischen Städten ausgebrochenen Streitigkeiten zwischen
Kaufleuten und Handwerkern der letzteren Reichthum oder Wohl
habenheit. Die Rüssowsche Chronik^ berichtet uns, dass sie sich
über ihren Stand zu erheben, es den Kaufleuten und dem Adel i"
Luxus und Pracht gleich zu thun und ihre geschäftlichen Heziehungen
auszudehnen suchten. Wenn man es als den (Grundsatz des Meisters
Walter von Plettenberg verkünden hört, auf die Handwerksämter
ein wachsames Auge haben und Sorge tragen zu wollen, dass sie
nicht zu grossen Einfluss im staatlichen und bürgerlichen Leben
gewönnen, so kann man sich leicht denken, dass Übergriffe vor
gekommen waren oder drohten. Namentlich wetteiferten die Han^l
werker-Frauen und -Töchter in der Kleidung mit den Frauen ans
dem Kaufmannsstande, was denn nicht verfehlte Missfallen hervor
1 Bunge, a. a. ü., S. 162.
2 Napiersky, Erbeb. II, 45, 247, 377 u. s. w.
3 Aus cl. Bruderbuch der Bierträger: Item int yar- i^t6 utf^egeven
to bmven dat ¡ms yn der szvyftstrat unde vor was ande vor nyge glese to makendt
4 Item int yar lgtg do gaf uns Henrick W^a/kcmoüe und syn vrouwe
gg mark Kighes to rente van dem granen hits uppe santé Peters kerckhave,
uns plach to hören. ^
5 Item ynt yar igsy do geven wy ut mark vor den iri/, den wy erlang^ ^
van dent ersamen rade to Ryge up dis hüss, da Nico/aus Hoisten umme spf'
und zvy beholden recht.
R Hem ynt yar iggo do vorko/ten zvy der Karppeske eyn agnus dei *
20 mark und 6 ferdinge ; und dat zvart hyr yn dissent ¡tuse vorbnwet.
7 Ausgabe von Fabst, S. 67, 6i<.