1^6 Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert.
Vertreter der Gilden, deren Wünsche sie vorher durch eine Ver
sammlung in Erfahrung zu bringen suchten. Gleichzeitig wollten sie
auch an der städtischen Verwaltung im engeren Sinne, namentlich
an der gesammten Finanzverwaltung durch von ihnen delegirte
Vertrauenspersonen theilnehmen.
Oie Finanzverwaltung liess der Rath durch den Stadtkämmerer
und die Landvögte ausüben. Sie mussten die hauj)tsächlichsten
Einnahmen, nämlich die Einkünfte aus dem bedeutenden Grund
besitz der Stadt, die Renten von ausgeliehenen Kapitalien, die
Ergebnisse gewisser Regale u. s. w. buchen. Auch Schoss un
Accise gehörten hierher, die indess den Charakter ausserordent
lieber Einnahmen trugen und wieder aufhörten, sobald der Zweck
erloschen war, dessentwegen ihre Erhebung angeordnet worden
war. Für solche Anordnung bedurfte es stets der Zustimmung der
Gemeinde, bezw. ihrer Vertreter. In dieser Beziehung brachte
nun der Vertrag vom 3. April 1559 zwischen Rath und (bilden den
letzteren einen neuen Sieg. Er gewährte ihnen und damit de
Bürgerschaft die volle (Beichberechtigung mit dem Rathe an der
Verwaltung der städtischen Finanzen, insbesondere der Steuern-
Über diese Errungenschaft war man in den Kreisen der (.ewerljc
treibenden sehr erfreut, und die Älterleute verfehlten nicht von
nun ab ihre Nachfolger im Amte zu ermahnen ihr Augenmer
besonders auf das Steuerbuch zu richten.
Ihren Höhepunkt erreichte die Macht der Bürgerschaft währen
des unseligen Kalenderstreites, der mehrere Mitglieder des Rnth^»
auf das Blutgerüst brachte und seine Gewalt auf’s Äusserste he
schränkte. Die Abtretung zweier Kirchen an die Katholiken, dn^
hin ichtung eines Jesuitenkollegiums, sowie die durch königlich ^
Befehl erfolgte Einführung des gregorianischen Kalenders
Jahre 1582 boten den äusseren Anlass. Oer innere Grund
tiefer'. Seit nämlich König Stephan Bathory im Jahre 1581 t
Unterwerfungsurkunde Rigas unterzeichnet hatte, also Riga wied*^
unter einer Oberherrschaft stand, hatte der Rath einen Halt geg*^’’
das Andrängen der (bilden. Oie Führer der Bürgerpartei deutet^
nun die erwähnten Neuerungen als eine Wiedereinführung ^
Katholicismus, die der von der polnischen Regierung erkau
Rath billige. Oie Gefährdung der reinen Lehre war das Schlag
wort, das die Gemüt her entfesselte und die Masse wider den Fa
in Bewegung zu setzen wusste.
1 Keussler, a. a. O , S. 61 ft.