Der Aufschwung der Handwerksämter im i6. Jahrhundert.
'vurcle beschlossen, dass alle Stadteinkünfte, woher sie immer
stammten, in einen Mittelpunkt — den Unterkasten oder die
Kämmerei, zusammenströmen sollten. Diese wurde dann einem
Ausschüsse anvertraut, der aus einem Bürgermeister, und zwar
l^emjenigen, der zuletzt das „Wort" geführt hatte, den beiden Älter-
^uten und je einem Ältesten beider Gilden bestand. Den Ämtern
^urde die Erhaltung ihrer Schrägen und Freiheiten zugesichert.
usübung gewerblicher Thätigkeit ausserhalb der Ämter sollte nicht
Vorkommen und Personen, die dieses Vergehens wegen der Obrigkeit
^gezeigt wurden (Bönhasen), wollte man unnachsichtlich verfolgen.
Handwerker ihrerseits mussten versprechen die Einwohner
schaft nicht mit unbilligem Werklohne beschweren zu wollen h
Hber die Stellung der Gewerbetreibenden in anderen liv- und
cstländischen Städten ist man leider wenig unterrichtet.
in Reval kam es durch die Umsicht und Festigkeit der schwe-
*schen Regierung nicht zu ähnlich heftigen Auftritten wie in Riga,
c Unfalls stieg auch hier die Bedeutung der Ämter und war die
•nvvohnerschaft, die sich mit Handel und Gewerbe befasste, in
bilden gruppirt, die sogen, grosse und kleine. Die Bezeichnung
"S^^osse Gilde“ kam gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts auf,
es scheint kaum bezweifelt werden zu können, dass sie aus
•Oem Verbände der Kaufleute, der sogen. Kindergilde, sich ent-
•ckelte. Die kleine Gilde erwuchs aus zwei geistlichen Genossen
schaften, den beiden Gilden des heil. Kanut und des heil. Olaus,
^ Urkundlich bereits 1329 und 1340 nachweisbar sind. V on diesen
(he Kanutigilde als die vornehmere; sie umfasste die Hand
werker und vermuthlich die Krämer, während in der Olaigilde
chen den eigentlichen Handwerkern die Arbeitsleute, wie Mün-
‘^he, Bierträger u. s. w., vereinigt waren. Die grosse Gilde
Schloss Jeden, der um Lohn diente, von der Aufnahme aus, und
^'^uutigilde beschloss im Jahre 1508 keine Undeutschen zu
S^udi^rn aufzunehmen, die also wahrscheinlich in der Olaigilde
Stützpunkt fanden. Die Vereinigung der Kanuti- und Olai-
^ c erfolgte erst im Jahre 1698 auf Verfügung der schwedischen
^^gierung, und erst seit dieser Zeit bestand die Repräsentation der
^^clt aus den 3 Faktoren; Rath, grosse und Kanuti- oder kleine
bis zum Jahre 1878, in welchem die drei Institutionen ihre
htische Bedeutung verloren *.
g Reüssier, a. a. O., S. 80 ff. ; Bergmann, a. a. O. II, 3(j8.
E- V. Nottbeck, Die alten Schrägen Her grossen Gilde zu Reval. 1885, S. 12 — 13.