1^6 Der Verfall der Ämter im 17. Jahrh. u. die Reformbestrebungen.
SO dass im Ganzen 39 Handwerksämter existirt haben mögen.
Für gewöhnlich hat die fortschreitende Arbeitstheilung eine weitere
Zerlegung der Ämter bedingt; aus den bisherigen Verbänden
scheiden einzelne Gewerbezweige aus, weil sie sich zahlreich genug
glauben ein eigenes Amt bilden zu können, so etwa bei den Loos-
bäckern, bei den Riemern und den Klempnern. Andererseits kommen
ganz neue Industrieen auf, die dem Zuge der Zeit folgend, sogleich
korporativ auftreten, wie etwa Corduanbereiter, Seidenstricker und
Posamentenmacher. Endlich finden sich auch Berufe, die bisher
von jeder genossenschaftlichen Organisation absehend, nunmehr
auch der weitverbreiteten Sitte huldigen, wie Fischer, Knochen-
hauer, Müller, Fuhrleute, wofern nicht das eine oder andere dieser
Gewerbe bereits korporativ gegliedert war, ohne dass die Kunde
davon uns aufbewahrt ist. Seltener scheint es vorgekommen zU
sein, dass vorhandene Ämter sich vereinigten, wie das 1696 bei
den Liggern und Hanfschwingern, 1694 bei den Sattlern und Rie
mern der Fall war. Als Specialitäten, deren Vertreter meistens
wohl in den vorhandenen Ämtern untergebracht gewesen sein
werden, erscheinen nach der Bodeckerschen Chronik ' ein Hutstafhi",
ein Steinhauer, ein Leuchtenmacher, ein Strohschneider und ein
Instrumentist. Ich nehme an, dass unter letzterem nicht ein Musiker,
sondern ein Instrumentenmacher zu verstehen ist.
Erneuerungen schon vorhandener Schrägen blieben selbstver
ständlich nicht aus. Sie zeigen sich in der chronologischen Reihe
der Bestätigung bei folgenden Ämtern:
1615 bei den Schuhmachern;
1625 „ „ Leinewebern;
1626 „ „ Balbieren;
1638 „ „ Hutmachern;
1640 und 1694 bei den Maurern ;
1642 bei den Kleinschmieden;
1667 „ „ Semischgerern, Handschuhmachern, Beutlern,
1667 „ „ Bäckern;
1668 „ „ (jrob-, Messer-, Kupferschmieden, Schwert'
fegern und Krongiessern;
1688 „ „ Zinn- und Kanngiessern;
1694 „ „ Sattlern und Riemern;
1696 „ „ Liggern und Hanfschwingern;
1699 „ „ Gürtlern.
1 ed. Napiersky, S. 87—96.