Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

1^6  Der  Verfall  der  Ämter  im  17.  Jahrh.  u.  die  Reformbestrebungen.
SO  dass  im  Ganzen  39  Handwerksämter  existirt  haben  mögen.
Für  gewöhnlich  hat  die  fortschreitende  Arbeitstheilung  eine  weitere
Zerlegung  der  Ämter  bedingt;  aus  den  bisherigen  Verbänden
scheiden  einzelne  Gewerbezweige  aus,  weil  sie  sich  zahlreich  genug
glauben  ein  eigenes  Amt  bilden  zu  können,  so  etwa  bei  den  Loosbäckern,
  bei  den  Riemern  und  den  Klempnern.  Andererseits  kommen
ganz  neue  Industrieen  auf,  die  dem  Zuge  der  Zeit  folgend,  sogleich
korporativ  auftreten,  wie  etwa  Corduanbereiter,  Seidenstricker  und
Posamentenmacher.  Endlich  finden  sich  auch  Berufe,  die  bisher
von  jeder  genossenschaftlichen  Organisation  absehend,  nunmehr
auch  der  weitverbreiteten  Sitte  huldigen,  wie  Fischer,  Knochenhauer,
  Müller,  Fuhrleute,  wofern  nicht  das  eine  oder  andere  dieser
Gewerbe  bereits  korporativ  gegliedert  war,  ohne  dass  die  Kunde
davon  uns  aufbewahrt  ist.  Seltener  scheint  es  vorgekommen  zU
sein,  dass  vorhandene  Ämter  sich  vereinigten,  wie  das  1696  bei
den  Liggern  und  Hanfschwingern,  1694  bei  den  Sattlern  und  Riemern ­
  der  Fall  war.  Als  Specialitäten,  deren  Vertreter  meistens
wohl  in  den  vorhandenen  Ämtern  untergebracht  gewesen  sein
werden,  erscheinen  nach  der  Bodeckerschen  Chronik  '  ein  Hutstafhi",
ein  Steinhauer,  ein  Leuchtenmacher,  ein  Strohschneider  und  ein
Instrumentist.  Ich  nehme  an,  dass  unter  letzterem  nicht  ein  Musiker,
sondern  ein  Instrumentenmacher  zu  verstehen  ist.
Erneuerungen  schon  vorhandener  Schrägen  blieben  selbstverständlich ­
  nicht  aus.  Sie  zeigen  sich  in  der  chronologischen  Reihe
der  Bestätigung  bei  folgenden  Ämtern:
1615  bei  den  Schuhmachern;
1625  „  „  Leinewebern;
1626  „  „  Balbieren;
1638  „  „  Hutmachern;
1640  und  1694  bei  den  Maurern  ;
1642  bei  den  Kleinschmieden;
1667  „  „  Semischgerern,  Handschuhmachern,  Beutlern,
1667  „  „  Bäckern;
1668  „  „  (jrob-,  Messer-,  Kupferschmieden,  Schwert'
fegern  und  Krongiessern;
1688  „  „  Zinn-  und  Kanngiessern;
1694  „  „  Sattlern  und  Riemern;
1696  „  „  Liggern  und  Hanfschwingern;
1699  „  „  Gürtlern.

1  ed.  Napiersky,  S.  87—96.
            
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