Full text: Die deutsche Wirtschaft

452 Walther Basson: 
vielgestaltigen Bedarf des Kleinhandels deckt, sondern auch sofortige 
Bestellungen auf bestimmte Spezialwaren ausführt, da er diese stets 
auf Lager vorrätig hat und solche dem Detailgeschäft auf Abruf sofort 
andienen kann. Wenn man beachtet, daß ein großer Kolonialwaren- 
betrieb über 3000 verschiedene Artikel führt, der Großhandel in Drogen 
mit 4—5000 regelmäßig zu führenden Artikeln rechnet, 
und daß selbst auf einem Spezialgebiet, nämlich dem Tuchhandel, 500 
bis 800 verschiedene Muster geführt werden, so wird hieraus die Be - 
deutung des Engros-Sortimenters offenbar, Abgesehen 
von der finanziellen Unmöglichkeit für den Detailhandel, solche aus- 
gedehnten und ungeheuer vielgestaltigen Läger zu unterhalten, wäre es 
aber auch für die meisten Detailgeschäfte unmöglich, für jeden der ge- 
führten Artikel den Vertreter eines Lieferanten zu empfangen, um 
diesem Bestellungen aufzugeben, Andererseits würde naturgemäß 
auch die einzelne Fabrik im Einzelfalle ungeheure Ver- 
sand-, Porto- und Reisekosten zu tragen haben, wenn sie 
jeden Detailbetrieb mit oft winzigen Mengen der angeforderten Ware 
beliefern würde. Dieunwirtschaftliche Verteuerungdes 
Absatzes durch Reklame-, Reise-, Verpackungs- und Transport- 
spesen wird durch die Dazwischenschaltung des 
Engros-Sortimenters erheblich gemildert, da er 
den Vertrieb am einzelnen Platze infolge vorhergehenden Massen- 
bezuges der Ware wesentlich billiger vornehmen kann, trotzdem das 
Faktum des Wettbewerbes — wenigstens bei größeren Plätzen — nicht 
ausgeschaltet wird, da eine Reihe von Großhandelsfirmen gleicher Art 
mit verschieden zusammengestellten Sortimenten oder Kollektionen im 
gegenseitigen Wettbewerb dafür sorgen, daß der Detail- 
handel und damit letzten Endes der Konsum so preiswert 
wiemöglich beliefert wird, 
Dabei erfüllt diese Art des Großhandels noch eine von dem 
Produzenten angenehm empfundene Aufgabe: die Abna hme des 
Verteilungsrisikos. Er sorgt für die Kontinuierlichkeit des 
Absatzes der einzelnen Fabrik und bietet für den Eingang des Gegen- 
wertes für die abgenommene Ware eine ungleich größere und leichter 
übersehbare Garantie als die im ganzen Lande hundertfältig verstreute 
Einzelhandelskundschaft, 
Am Ende unserer Betrachtungen über die verschiedenen Formen 
des Binnengroßhandels lernen wir noch den Kreditgross isten 
kennen, welcher besonders im Lebensmittelhandel (Gemüsehandel, 
Schuhwarenhandel, Mehlhandel usw.) eine besondere Rolle spielt und 
dessen Funktion darin beruht, daß er kleineren Kaufleuten, die oft im 
Nebenberuf ein Geschäft betreiben, aber des nötigen Betriebskapitals
	        
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