Full text : Die Volkswirthschaftslehre

§  154.  Arbeitslohn.

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Diese  Beziehungen  bestimmen  den  überhaupt  noch  möglichen ­
  höchsten  Betrag  des  Arbeitslohnes,  denn  Niemand  kann
eine  Arbeit  höher  lohnen,  als  sie  ihm  selbst  werth  ist,  und
mehr  für  sie  hingeben,  als  seine  Zahlungsfähigkeit  gestattet.
Behufs  jeder  Production  läßt  sich  die  Arbeitsverwendung
höchstens  soweit  steigern,  „bis  der  durch  den  zuletzt  angestellten
Arbeiter  erlangte  Mehrertrag  im  Werth  gleich  dem  Lohne  ist,
den  der  Arbeiter  erhält".  Da  nun  „für  gleiche  Leistungen  nicht
ungleicher  Lohn  gezahlt  werden"  kann,  so  muß  das  „Mehrerzeugniß,
  was  durch  den  zuletzt  angestellten  Arbeiter  hervorgebracht ­
  wird",  maßgebend  für  den  Lohn  aller  mitverwendeten
„Arbeiter  von  gleicher  Geschicklichkeit  und  Tüchtigkeit  sein".  „Der
Werth  der  Arbeit  des  zuletzt  angestellten  Arbeiters"  bezeichnet
sonach  zugleich  die  äußerste  Lohnhöhe,  welche  mit  Rücksicht  auf
den  Gebrauchswerth  einer  bestimmten  Art  von  Arbeit  zulässig  ist.
Je  ergiebiger  aber  die  Arbeit  oder  je  mehr  dieselbe  zur
Befriedigung  dringender  Bedürfnisse  erforderlich  ist,  um  so  höher,
und  umgekehrten  Falls  um  so  geringer  wird  ihr  Gebrauchswerth.
Während  besonders  günstiger  Conjuncturen  und  ebenso  beim
Zusammendrängen  unaufschiebbarer,  für  das  Gelingen  der  Production ­
  besonders  entscheidender  Arbeiten  ist  der  Gebranchswerth
der  Arbeit  nicht  selten  ungleich  größer,  als  gewöhnlich.  So  kann
z.  B.  in  der  Landwirthschaft  während  der  Ernte  der  Gebrauchswerth ­
  der  Arbeit  besonders  groß  sein  und  bei  hohen  Fruchtpreisen ­
  es  lohnend  werden,  die  Aberntung  mittels  gesteigerten
Arbeitsaufwandes  sorgfältiger  zu  bewirken,  um  das  Erbaute
möglichst  vollständig  auszunutzen.  Die  Mehrverwendung  von
Arbeit  läßt  sich  jedoch  dabei  immer  wieder  nur  bis  dahin  steigern,
wo  der  durch  vermehrten  Arbeitsaufwand  bedingte  Mehraufwand
an  Kosten  noch  nicht  die  damit  erzielte  bessere  Ernteausnutznng
an  Werth  übersteigt.  Dagegen  verliert  eine  Arbeit  an  Gebranchswerth, ­
  wenn  sie  durch  Kapital,  z.  B.  durch  überlegen  leistungsfähige ­
  Maschinen  re.,  leicht  ersetzbar  wird.  Der  Gebrauchswerth
der  Arbeit  steigt  ferner  mit  der  in  Folge  größerer  Arbeitstüchtigkeit ­
  zunehmenden  Wirksamkeit  der  Arbeit,  und  demnach
insbesondere  dann,  wenn  die  Arbeiter  geschickter  und  zuverlässiger
tverden.
Je  größer  endlich  das  Einkommen  ist,  um  so  mehr  Kapital
kann  zurückgelegt  und  als  umlaufendes  Kapital  seitens  der  Unter-Schober,
  Volkswirthschaftslehre.  3.  Aufl.  19
            
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