298 Buch 4. Kap. 1. Einkommenszweige.
bie Berufswahl und das Verchleibcn in einem bestimmten
Berufe maßgebend iverdcu. ķ
Die fragliche Ungleichheit der verhältnismäßigen Lohnhöhe
ist also einerseits, inso>veit sie von abweichender Erheblichkeit der
aufgewendeten Erwerbungskosten, der arbeitslosen Zwischenzeiten
und der zu übertragenden Gefahr herrührt, eigentlich nur eine
scheinbare, und wird übrigens andererseits hauptsächlich dadurch
bedingt, daß sich Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot in den
verschiedenen Erwerbszwcigen nicht ebenmäßig leicht in Gleich-
gcivicht zu setzen vermögen. Bei den Arbeitszweigcn nun,
rücksichtlich deren das Angebot aus denl einen oder anderen
Grunde überhaupt sehr groß zu sein Pflegt oder wenigstens
leichtlich der Nachfrage entsprechend zunimmt, was z. B. bei
der gewöhnlichsten, ohne sonderliche Vorübung bewirkbaren
Handarbeit am unbeschränktesten möglich ist, kann der Lohn ans
die Dauer nicht weit über seine durch den äußerst nothwendigen
Untcrhaltsbcdarf gezogene Minimalgrenze hinaufgehen, sondern
vielmehr nur dicht um letztere schwanken. Bei denjenigen
Arbeiten dagegen, bezüglich deren das Angebot jederzeit weit
beschränkter bleibt und sich weniger leicht vermehren läßt, für
welche z, B. seltenere, entweder gar nicht beliebig anzueignende
oder mindestens schwer zu erlangende persönliche Eigenschaften
und Leistungsfähigkeiten, besondere natürliche Begabung, aus
nahmsweise Geschicklichkeiten ec., erforderlich sind', vermag der
Lohn dauernd seiner Maximalgrenze mehr oder weniger nahezu-
treten und um so höher zu steigen, je größer der Gebrauchs
wert!) der betreffenden Arbeit und die Zahlungsfähigkeit der
Arbeitskäufer ist. Bei solchen Arbeiten jedoch, deren'Angebot
überreichlich ist und nicht leicht der Nachfrage entsprechend
abnimmt, oder tvelche von Vielen nebenbei behufs Erzielung eines
kleinen Nebenverdienstes, von Manchen des Vergnügens oder
Ehren halber unentgeltlich, oder überwiegend von'Solchen ver
richtet werden, die durchschnittlich einen nicht unbedeutenden
Theil ihres Unterhaltsbedarfes mittels ans eigenem Privat
vermögen bezogener Einkünfte zu decken gewillt und dazu in
der Lage sind, sinkt die Lohnhöhe regelmäßig ain tiefsten, geht
ersteren Falls bislveilcn geraume Zeit hindurch, bis zum Ein
treten einer durch Noth und Elend erzwungenen Arbeiter-
verminderung, auf das unentbehrlichste Existenzminimum hinunter,
und wird letzteren Falls nicht selten nachhaltig unter das zur