Full text : Die Volkswirthschaftslehre

302  Buch  4.  Kap.  1.  Einkommenszweige.
Arbeit  eines  tüchtigen,  zuverlässigen  und  deshalb  gut  bezahlten
Arbeiters  jedenfalls  mehr  Werth,  als  diejenige  einer  zwar  geringer
gelohnten  aber  verhältnißmäßig  minder  leistnugsfähigeil  und  mehr
Ueberwachung  bedürfenden  Arbeitskraft.  Letztere  hingegen  vermögen ­
  sich  nebst  ihren  Familien  angemessener  zu  erhalten  und
sind  dabei  weniger  ans  den  ohnehin  unsteteren  Mitverdienst  von
Frau  und  Kindern  durch  deren  auswärtiges  Arbeiteil  angewiesen,
durch  welches  so  leicht  das  Familienleben,  die  hauswirthschaftliche
Ordnung  und  die  „familienwirthschaftliche"  Bedürfnißbefriediguug,
die  Kindererziehung  und  die  sittliche  Entwickelung  der  '  noci)
unreifen  Jugend  leidet.  Ein  solcher  Lohirstand  macht  ferner  Ergänzungen ­
  durch  Unterstützungen  unnöthiger,  welche  ohnedem
meist  unvermeidlich  sind,  gestattet  ben  Unternehmern,  sich  mehr  auf
leitende  Fürsorge  („freie  Patronage")  zu  beschränken,  erleichtert
die  öffentliche  Last  der  Armenpflege  und  versetzt  überhaupt  erst
die  Arbeiter  in  die  Lage,  ein  eintretendes  Mißgeschick,  eine
Theuerung  re.  selbst  zu  übertragen,  während  dies  dann  unmöglich ­
  ist,  wenn  bei  einer  bereits  auf  das  geringste  Maß  des  äußerst
Nothwendigen  beschränkten  Lebensweise  weitergehende  Entsagungen
fast  unthunlich  geworden  sind.
Plötzlich  eintretende  oder  nur  vorübergehende  Lohnerhöhungen
wirken  nicht  in  derselben  Weise  wohlthätig,  denn  jene  können
nicht  sogleich  und  diese  mindestens  nicht  nachhaltig  auf  die  wirthschaftliche
  Lebensart  und  Lage  der  Arbeiter  Einfluß  gewinnen.
War  selbige  bisher  eine  sehr  beschränkte,  so  kommt  es  wohl  sogar
vor,  daß  die  Arbeiter  zunächst  und  bis  sie  ihren  Lebensgenuß  zu
erweitern  gelernt  haben,  iveniger  und  nur  so  viel  arbeiten,  als
gerade  nothwendig  ist,  um  die  seither  gewohnten  Bedürfnisse
befriedigen  zu  können.  Anderen  Falls  wird  der  zeitweilige  Mehrverdienst
  häufig  genug  durchaus  nicht  etwa  zur  Aufbesserung  des
Wohlstandes,  sondern  int  Nichtbedenken  der  Zukunft  vielmehr
lediglich  dazu  benutzt,  einstweilen  flotter  zu  leben  und  materiellen
Genüssen  in  ausgedehnterem  Umfange  zu  fröhneu,  wonach  alsdann, ­
  nach  Wiederaufhören  der  guten  Zeit,  nichts  weiter  erübrigt,
als  Unzufriedenheit  über  Verschlechterung  des  Erwerbs  und  in
Folge  hiervon  Mißstimmung  gegen  die  Arbeitsgeber.
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Es  erscheint  hiernach  schließlich  ebensowohl  zweckwidrig,
den  Arbeitslohn  durch  beschränkende  Lohntaxen  niedrig
            
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