Full text: Die Volkswirthschaftslehre

§ 167. 168. Kapitalzins. 
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Unter sonst gleichen Umständen können die Kapitalien dann, 
wenn die Zinshöhe gleichmäßig niedrig ist, in verstärkterem 
Maße zur Giitererzeugung benutzt werden, als dann, wenn jene 
hoch ist. Außerdem vermindern sich ersteren Falls verhältniß- 
mäßig die antheiligen Produetionskosten der Güter. Dazu 
konlmt, daß die Kapitalbesitzer alsdann emsiger um möglichste 
Nutzbarmachung ihrer Kapitalien bemüht zu sein pflegen, weniger 
leicht und früh sich zum miihelosen Leben von bloßen Zinsen 
entschließen, wogegen allerdings ein hoher Zinsstand an und 
für sich stärker zur anfänglichen Aufsparung von Kapitalien 
anreizt. 
§ 168. 
Das Eintreten eines in volkswirthschaftlicher Beziehung 
günstigen Zinsstandes kann nun durch Hinwirkung auf Ent- 
lvickelung der ihn bedingenden Verhältnisse und insbesondere 
durch Hinwegräumung entgegenstehender Hindernisse zwar 
einigermaßen befördert, nicht aber auch durch solche Be 
stimmungen, welche die Höhe des Zinsfußes regeln wollen, 
durch Zinstaxen und Wuchergesetze, künstlich herbei 
geführt werden. 
Diese verfehlen vielmehr ihren Zweck gänzlich, sind leicht 
zu umgehen, verhindern weder leichtsinniges Aufborgen noch 
den wirklichen Wucher, erschweren bedingungsweise selbst die 
wirthschaftlich Vortheilhafte Kreditbenutzung und vertheuern 
zugleich den Darlehnszins. 
Als förderlich erweist sich hierbei namentlich Alles, was 
mittelbar die Zunahme des allgemeinen Wohlstandes und 
unmittelbarer die Aufsparung, Conccntrirung und Flüssigmachung 
von Kapitalien zu begünstigen vermag, z. B. bessere Ausbildung 
der Kreditförderungsmittel k. 
Gegenteilig wirken gesetzliche Zinsbeschränkungen durch Zins- 
taxen und Wuchergesctze zumal in sehr vorgeschrittener Zeit. 
Diese sind auf den mittleren und niederen Kulturstufen entstanden, 
haben sich lange erhalten und währenddem den Uebergang von 
gänzlichen Zinsverboten zur schließlichen Zinsfreiheit vermittelt. 
In früherer Zeit, wo Darlehen meist nur in Nothfällen 
gesucht werden, mißbilligten viele Religionen schon um der Barm-
	        
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