Full text : Über die Behandlung der verbrecherischen und arg verwahrlosten Jugend in Österreich

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offenem  Aufruhr  und  anderen  Verbrechen  geworden*)  und
das  Ausbrechen  von  Gefangeneil  und  kühne  Fluchtversuche
sind  jetzt  weit  häufiger,  als  sie  es  je  gewesen.  ^
Nicht  selten  wird  in  derlei  Anstalten  der  Grund  zu
gefährlichen  Vereinigungeir  für  die  spätere  ÜVrübung  von
Diebstahl,  Raub  und  Brandstiftung  gelegt;  und  so  wird
der  einzige  Vortheil,  welcher  der  Anhaltung  llachgerühmt
zu  werden  pflegt,  dass  gefährliche,Individuen  für  eine  kurze
Zeit  an  der  Begehung  einzelner  Ubelthaten  verhindert  werden, ­
  durch  andere  offenkundige  Nachtheile  gewiss  weit  ausgewogen. ­
  ,;ii
Gegenüber  diesen  unbefriedigenden  Résulta,en  der  Anhaltung ­
  '  Erwachsener  in  den  Zwangsarbeitsansicckten  stehen
die  unbestritten  günstigen  Ergebnisse  der  Besserungsanstalten**)
und  drängt  sich  wohl  von  selbst  die  Frage^anf,  ob  es  nicht
weit  zweckmäßiger  wäre,  die  letzteren  all  die  Stelle  der  ersteren
treten  zu  lassen.
In  den  Räumen,  in  welchen  die  Erwachsenen  verwahrt
werden,  würde  bei  geringern  Kosten  eine  bedeutend  größere
Zahl  Jugendlicher  bequem  Aufnahme  fillden  können*)  und  so
könnte  wenigstens  dem  dringendsten  Bedürfnisse  einigermaßen
Rechnung  getrageil  werden.

*)  Nach  dein  oben  citierten  Ausweise  wurden  im  Jahre  1896
wegen'ber  in  ber  Änftalt  begnnßenen  %etbre4en  bem  Straf,
o  er  idi  te  übergeben  28  Zwänglinge.  Aus  der  Anstalt  sind  m  demselben
Jahre  entwichen  18  Zwänglinge  —  allerdings  wurden  dieselben  brs  auf
Einen  wieder  eingebracht.  ,  4  .  ,  ,  ...
Erscheinungen  dieser  Art,  die  trotz  einer  treulichen,  energischen
Leitung  der  Anstalt  nicht  vermieden  werden  konnten,  sprechen  gewiss
nicht  zu  Gunsten  des  Fortbestandes  der  Zwangsarbeitshäuser  in  ihrer
heutigen  Gestaltung.  Dieselben  müssten,  wenn  sie  einen  wirklichen
Vortheil  bringen  sollten,  auf  eine  andere  Basis  gestellt  werden,  als
biâ^cr^  Ļandesbesserungsanstalt  in  Opatovic  bei  Pardubic  in
Böhmen  veransd,lagt  das  Procentverhältnis  der  Gebesserten  ans
mehr  als  60%;  andere  öffentliche  Besserungsanstalten  weisen  auf  noch
günstigere  Resultate  hin;  die  Berichte  der  Privatbesserungsanstalteii,
von  denen  weiter  unten  die  Rede  sein  soll,  geben  Zeugnis  davon,  dass
der  ärgste  Stand  der  sittlichen  Verwahrlosung  bei  rechtzeitig,  d.  h.
im  frühjugendlichen  Alter  eintretender  Erziehung  die  berechtigte  Hoffnung ­
  auf  eine  Besserung  nickst  ausschließt.  Die  Besserungswahrscheinlichkeit
  steigt  und  fällt  mit  dem  Alter,  in  welchem  die  Zwangserziehung
ihr  Werk  beginnt.
            
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