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than, den Kompaß zn verlieren. Schon gleichen Tags trafen
New - Jorker Kabelmeldungen ein, welche die Annahme der
ungünstigen Ansätze (60%) der amerikanischen Tarifbill für
Stickereien als wahrscheinlich erscheinen ließen. Noch einmal
tauchten zwar Hoffnungen auf, daß die niedrigen Anträge
(40 %) siegen wurden, bis die Schlußabstimmnng im Kapitol
zu Washington alle Illusionen nach dieser Richtung zerstörte.
Die Industrie suchte noch vor Inkrafttreten der Bill möglichst
große Lager in den Vereinigten Staaten unterzubringen und
an Arbeit fehlte es zunächst nicht. Als sie aber in Kraft war,
kam die natürliche Reaktion, der Arbeitsmangel, und unter
diesen Verhältnissen früher als andere Jahre. Man hatte
nun eine schöne Klassifikation, aber daß dieselbe die Waaren-
ausgabe fast unmöglich machte, begriff man auch ans Seite
der Arbeitnehmer. Man fühlte ans jener Seite, daß man sich
verrannt hatte, und zwar nach mehr als einer Richtung, nach
dem es sich herausstellte, daß die beschlossene Klassifikation
Artikel belastete, welche die hiesigen Arbeitnehmer auch ohne
Zuschlag als lohnend betrachteten, die aber der Kaufmann
jetzt wohl oder übel auswärts mußte erstellen lassen, wollte
er nicht auf jede Konkurrenzfähigkeit verzichten.
Znm ersten Male wurde das Vertrauen in den Verband
erschüttert, zwar ohne allen Grund, denn er trug nicht Schuld
an den begangenen Fehlern. Es fehlte auch nicht an Leuten,
welche das Mißtrauen und die Apathie schürten, in der Hoff
nung, damit die Wiederkehr der früheren schönen Zeiten mit
ihrem Raubritterthnm zn erleben. In dieser recht nngennith-
lichen Lage ergriffen die Arbeitgeber die Initiative, um ans
einer Situation herauszukommen, welche bei längerer Dauer
eine Katastrophe im Verbände hätte zur Folge haben müssen.
Ein Jnitiativkvuiite versammelte die Kanfmannschast am 29.
Oktober. I» der Versammlung wurden die Wirkungen der
seit dem 1. Oktober eingeführten neuen Klassifikation erörtert.
Ein Redner faßte die letzteren in die Worte zusammen: „Sachsen