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wenn Arbeitsmangel eintritt, ist begreiflich; denn die geringe
Maschine wird gute Waare nur erhalten, wenn die guten
Maschinen nicht mehr sämmtliche bewältigen können, »nd bevor
die gute Maschine keine Arbeit mehr erhält, kommt die
schlechte bei Arbeitsmangel an die Reihe. Das ist in der
Schweiz genau so wie int Vorarlberg. Leider vermag man
das dort nicht immer einzusehen, ìvittert hinter allem Znrück-
setzung und böse Absicht und steift sich dabei darauf, daß
man bei gutem Geschäftsgang doch auch gut genug sei.
Dieses fleischgewordene Gefühl der Zurücksetzung mag
das Seinige dazu beitragen, daß die Durchführung der Ver
bandsvorschriften im Vorarlberg am Meisten zu wünschen
übrig läßt und daß ein ziemlicher Bruchtheil der dortigen
Arbeitnehmer noch jedesmal bereit war, Agitationen gegen
den Verband von Seite gewisser Arbeitgeber zu unterstützen,
wahrend der tüchtigere Theil der dortigen Arbeitnehmer sich
stets ebenso verbandstren zeigte, iute die besten schweizerischen.
Im Laufe des Sommers 1887 war in Vorarlberg wieder
einmal nach Noten geschürt und gehetzt worden; man agitirte
für Lostrennung vom Verband und für Gründung eines eigenen
vorarlbergischen. In einer Delegirtenversammlnng der Vor
arlbergischen Stickerei-Interessenten vain 30. Oktober 1887,
welcher auch die Spitzen der dortigen Behörden beiwohnten,
kamen die Dinge dann offiziell zur Sprache. Es gab drei
Lager an derselben: Eines, das kleinste, und aus den quali
tativ geringsten Arbeitnehmern bestehend, wollte einen eigenen
vorarlbergischen Verband gründen; „wir wollen nicht länger
Sklaven der Schweizer sein," lautete die Parole dieser Leute.
Ein anderes Lager wollte auch die Emanzipation der vor
arlbergischen Stickerei von der schweizerischen, hielt aber den
Zeitpunkt hiefür noch nicht gekommen, da Vorarlberg noch
viel zu schwach sei. Durch Hebung der technischen Leistungs
fähigkeit der vorarlbergischen Arbeitskräfte wollte dieses Lager
seinem Ziele näher kommen. Zugleich wurde betont, daß
»
Delegirten-
versammlung
in Dornbirn.