Full text: Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

Versammlung an die Adresse des Zentralkomite des großen 
Verbandes für Musterklassifikation und Lehrlingsregnlativ, 
während an derselben Versammlung von einem Arbeitgeber 
versucht wurde, gegen den Verband Stimmung zu machen, 
mit der Erklärung, derselbe habe den Arbeitern eher geschadet 
und diese könnten nur etwas erreichen, wenn sie unter sich 
zusammenstünden und den Arbeitgebern ihren Willen diktirten. 
Die Versammlung ließ sich über den tiefern Hintergrund des 
Votums nicht täuschen, trotzdem er sorgfältig mit dem weißen 
Lammfell weitgehendster Arbeiterfreundlichkeit tapezirt war. 
* 
- * -i- 
Jm März 1887 war die Kommission für Handel und 
Gewerbe des Kantonsrathes von Appenzell A.-Rh. an den 
Verband gelangt mit dem Ersuchen, Schritte bei den Bundes- 
behörden zu thun gegen die vom schweizerischen Spinner- und 
Weberverein verlangten Zollerhöhungen auf Baumwolltücher, 
speziell auch auf die von der Stickerei am meisten gebrauchten 
Cambrics. Der Spinner- und Weberverein begründete seine 
Begehren mit der großen Nothlage der schweizerischen Spinnerei 
und Weberei in jenem Zeitpunkte, wogegen die Stickerei noch 
gut daran sei. Die verlangten Zollerhöhungen würden, ans 
die einzelne Stickete berechnet, nur 40 Cts. ausmachen, was 
die Stickerei gut ertragen könne. Es sei ein Unrecht, wegen 
eines solchen geringfügigen Zuschlages die ausländische Pro 
duktion zu bevorzugen und die inländische feiern zu lassen. 
Diesem Begehren gegenüber* wurde geltend gemacht, daß 
die vom Spinner- und Weberverein verlangte Zollerhöhung 
seine Mitglieder nicht in den Stand versetze, mit England zu 
konknrriren, weder in Bezug ans Preis, noch in Bezug ans 
Qualität. Man habe ihnen schon einmal eine Zollerhöhung 
gewährt und nachher gesehen, daß sie nach wie vor nicht 
konkurrenzfähig waren. Der verlangte Mehrzoll sei daher eine 
ganz nutzlose Mehrbelastung der Stickerei, ihr zum Schaden 
und für die schweizerische Weberei ohne effektiven Nutzen. Auf
	        
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