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machen konnte. Die Vertreter des Zentralkomitc erklärten
ein Kartell mit dem Fabrikstickerverbande als nothwendig, und
zwar bezüglich der Feststellung eines Minimallohnes für die
Fabrikstickcr und der Regelung des Abzugswesens und der
Retourwaarcn; ferner werde man ernstlich auf Maßregeln zur
Lanirnng des Fabrikantenstandes Bedacht nehmen müssen. Die
Kaufmannschaft beschloß einstimmig eine Sympathieerklärung
für ein Kartell der beiden Verbände in dem oben bezeichneten
Rahmen zu Handen des Zentralkomite.
Im Laufe des Herbstes arbeitete das Zentralkomite eine EĢ-Vorlag-,
bezügliche Vorlage zu Handen der Delegirtenversammlung
aus. Ill organisatorischer Beziehung beantragte dieselbe den
obligatorischen Beitritt sämmtlicher Fabriksticker in den Stickerei
verband. Ferner wurde ein Minimallohn für die Fabrik
sticker beantragt, sodann ein Regulativ über Abzugswesen
und Retourwaaren, und schließlich die Schaffung von Schieds
gerichten ztvischen Fabrikanten und ihren Stickern. Schon
beim ersten Erscheinen der Vorlage verhehlten sich aufrichtige
Freunde der Verständigung nicht, daß das Zentralkomite
weiter gegangen war, als die Rechnung ans sicheren Erfolg
gestattete. Mail sah es nicht gerne, daß die Zentralleitung
den Kartcllgedanken fallen ließ zu Gunsten des zwangweisen
Beitrittes der Fabrikstickcr in den Verband. Man sah auch
voraus, daß ein Theil der Fabriksticker deßhalb zur Oppo
sition gehen werde, in der Befürchtung, die ganze Vorlage
ziele ans Zertriimmernng des Fabrikftickerverbandes ab, während
umgekehrt die Fabrikanten in der Vorlage die Tendenz wittern
möchten, die Fabrikstickcr gegen sie auszuspielen. Es kam
auch wirklich dazu. Im Laufe des November machte sich
eine starke Bewegung unter Fabrikanten sowohl, wie unter
den Fabrikstickern geltend. Tie ersteren wetterten über die
Vcrbandsleitnng, das; sie es wagen könne, ihnen solche Zn-
mn thu Ilgen zu machen. Die letzteren raisonnirten über ihr
Komite, das auf einen solchen „Leim" ging, wie sie sagten.