Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

Obwohl  von  Seite  der  Fabriksticker  redlich  dazu  war  mitgeholfen ­
  worden,  daß  der  Topf  in  Scherben  ging,  klagte  man
nun  doch  darüber,  als  über  ein  Unrecht,  das  man  erleiden
müsse.  Eine  schärfere  Tonart  wurde  laut  mit  der  Forderung,
sich  sofort  der  schweizerischen  Streikreservekasse  anzuschließen
und  weitere  Verhandlungen  mit  der  Leitung  des  großen  Verbandes ­
  abzubrechen.  Die  Spitzen  des  Fabrikstickerverbandes,
unterstützt  von  zwei  anwesende,:  Vertretern  der  Verbandsleitung ­
  und  der  Kaufmannschaft,  mahnten  aber  eindringlich
zur  Besonnenheit.  Man  solle  die  der  Sache  freundlich  gesinnten ­
  Elemente  im  großen  Verbände  nicht  von  Seite  der
Arbeiter  lahm  legen,  sonst  sei  Alles  verloren,  während  bei
besonnener  Haltung  der  Fabriksticker  eine  Lösung  möglich,  ja
fast  sicher  sei.  Die  Versammlung  wollte  beiden  Standpunkten
Rechnung  tragen.  Sie  beauftragte  einerseits  ihr  Konnte  zu
weiteren  Verhandlungen  mit  der  Zentralleitnng  des  großen
Verbandes,  gleichzeitig  aber  auch  mit  den  Vorbereitungen
zum  Anschlüsse  des  Fabrikstickerverbandes  an  die  vorerwähnte
Kasse.  Die  Weiterverfolgung  der  Angelegenheit  im  großen
Verband  wurde  auch  noch  von  verschiedenen  Fabrikstickerversammlnngen
  auf  dem  Lande  verlangt,  welche  im  Laufe
des  Januar  stattfanden.
Die  Zentralleitung  trat  mit  einer  neuen  Vorlage  vor
die  Delegirtenversammlnng  des  l.  August  1890,  welche  nicht
nur  den  Hereinzug  der  Fabriksticker  in  den  Verband  fallen
ließ,  sondern  auch  den  eigentlichen  Kartellgedanken  mit  dem
Fabrikstickerverbande.  Dagegen  wurden  die  Regelung  der
Minimallohnfrage  und  des  Abzugswesens  und  der  Retour
Maaren  für  Fabriksticker,  sowie  die  Schaffung  von  Schiedsgerichten ­
  beantragt.  Bezüglich  des  Minimallohnes  wurden
22  Cts.  per  100  Stich  für  ‘ l U  beantragt  und  im  Verhältniß
die  anderen  Rapporte  bedacht.  Für  Vorarlberg  wurden  die
Ansätze  um  1  Cts.  rednzirt,  um  die  Konkurrenzfähigkeit  der
dortigen  Verbandsfabrikanten  mit  den  schweizerischen  nicht  zu
            
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