Full text: Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

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ber Kaufleute vom 29. Oktober stand beim auch sozusagen 
einmüthig zu ihm, trotzdem er einzelne Angriffe von dieser 
Seite erfuhr, und sie es bei der damaligen sehr gedrückten 
Stimmung unter den Arbeitnehmern in der Hand gehabt 
hätte, ihn zu fällen. 
* * 
Im gleichen Jahr wurde auch zum ersten Mal energisch 
die Axt an ein Krebsübel im Verbände gelegt, an das Abzugs- 
wesen. Man wird sich erinnern, daß schon bei Berbands- 
griiudung laute Klagen über eine wahre Hochsluth von Ab 
zügen erschollen, und wenn damals au allen Ecken und Enden 
gegen das „Blntsaugerthum" unter den Arbeitgebern ge 
donnert wurde, war zumeist immer das Abzugsweseu gemeint. 
Um ein einigermaßen richtiges Bild in Sachen zu erhalten, 
muß man wissen, wie es damit sich eigentlich verhält. Die 
ganze Art der Arbeitausgabe leistet dem Abzugswesen in der 
Stickerei überhaupt Vorschub. Es ist fast unmöglich, die 
Waare so zu erstellen, daß nicht böser Wille irgend einen 
kleineren oder größeren Abzug Herauspressen könnte. Daß 
es aber auch recht gerechte Abzüge in erklecklicher Anzahl 
geben mußte, dafür sorgten die minderen Kräfte unter Einzel 
stickern , Ferggern und Fabrikanten. Wenn gerade diese 
jeweilen am lautesten über das Unrecht im Abzugswesen 
jammerten, so bestätigt in dieser Erscheinung sich nur eine 
alte, überall gemachte Erfahrung. Die grenzenlose Inkonse 
quenz im Abzugswesen lag aber darin, daß bei flottem Ge 
schäftsgänge Abzüge verhältnißmäßig selten vorkamen, trotzdem 
der Sticker, weil gesucht, auf die Arbeit nicht die ganze 
Summe seiner Mühe verlegte, während die Abzüge in flauer 
Zeit hageldicht sielen, obwohl der Arbeiter in solchen Zeiten 
ängstlicher in Erstellung der Arbeit war, als sonst, weil er 
wußte, wie wenig es „leiden" mochte. Man würde aber 
falsch rechnen, wenn man die Ursache dieser Erscheinung nur 
darin suchte, daß der Arbeitgeber in flauen Zeiten dem
	        
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