Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

—  141  —

m

ber  Kaufleute  vom  29.  Oktober  stand  beim  auch  sozusagen
einmüthig  zu  ihm,  trotzdem  er  einzelne  Angriffe  von  dieser
Seite  erfuhr,  und  sie  es  bei  der  damaligen  sehr  gedrückten
Stimmung  unter  den  Arbeitnehmern  in  der  Hand  gehabt
hätte,  ihn  zu  fällen.
*  *
Im  gleichen  Jahr  wurde  auch  zum  ersten  Mal  energisch
die  Axt  an  ein  Krebsübel  im  Verbände  gelegt,  an  das  Abzugswesen.
  Man  wird  sich  erinnern,  daß  schon  bei  Berbandsgriiudung
  laute  Klagen  über  eine  wahre  Hochsluth  von  Abzügen ­
  erschollen,  und  wenn  damals  au  allen  Ecken  und  Enden
gegen  das  „Blntsaugerthum"  unter  den  Arbeitgebern  gedonnert ­
  wurde,  war  zumeist  immer  das  Abzugsweseu  gemeint.
Um  ein  einigermaßen  richtiges  Bild  in  Sachen  zu  erhalten,
muß  man  wissen,  wie  es  damit  sich  eigentlich  verhält.  Die
ganze  Art  der  Arbeitausgabe  leistet  dem  Abzugswesen  in  der
Stickerei  überhaupt  Vorschub.  Es  ist  fast  unmöglich,  die
Waare  so  zu  erstellen,  daß  nicht  böser  Wille  irgend  einen
kleineren  oder  größeren  Abzug  Herauspressen  könnte.  Daß
es  aber  auch  recht  gerechte  Abzüge  in  erklecklicher  Anzahl
geben  mußte,  dafür  sorgten  die  minderen  Kräfte  unter  Einzelstickern ­
  ,  Ferggern  und  Fabrikanten.  Wenn  gerade  diese
jeweilen  am  lautesten  über  das  Unrecht  im  Abzugswesen
jammerten,  so  bestätigt  in  dieser  Erscheinung  sich  nur  eine
alte,  überall  gemachte  Erfahrung.  Die  grenzenlose  Inkonsequenz ­
  im  Abzugswesen  lag  aber  darin,  daß  bei  flottem  Geschäftsgänge ­
  Abzüge  verhältnißmäßig  selten  vorkamen,  trotzdem
der  Sticker,  weil  gesucht,  auf  die  Arbeit  nicht  die  ganze
Summe  seiner  Mühe  verlegte,  während  die  Abzüge  in  flauer
Zeit  hageldicht  sielen,  obwohl  der  Arbeiter  in  solchen  Zeiten
ängstlicher  in  Erstellung  der  Arbeit  war,  als  sonst,  weil  er
wußte,  wie  wenig  es  „leiden"  mochte.  Man  würde  aber
falsch  rechnen,  wenn  man  die  Ursache  dieser  Erscheinung  nur
darin  suchte,  daß  der  Arbeitgeber  in  flauen  Zeiten  dem
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.