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Urheber mißverstandenen Fundamentalsatz der „innern Har
monie aller Interessen" durch die That in seine richtigen
Konsequenzen geriickt, die weitern Irrthümer der sogenannten
liberalen und liberalkonservativen Schule und desgleichen jene
der Sozialdemokratie über Assoziation korrigirt zu haben, um
in dieser Arbeit unbewußt schließlich mit jener wissenschaft
lichen Schule zusammenzutreffen, welche Hitze und Andere
repräsentiren.
Ein zweites Geheimniß des Erfolges des Stickereiver
bandes liegt darin, daß er es verstanden hat, bei gleichzeitiger
Verkettung der Jnteressentengruppen ineinander jeder derselben
ein gerütteltes Maß Freiheit zur Organisation der einzelnen
Gruppen innert seinem Nahmen zu gewähren. Wenn der
Verband vorbildlich für ähnliche Gründungen sein soll, so
hat man — gleichviel ob sie der Initiative des Staates oder
jener von Privaten entspringen — mit diesem Faktor wohl
zu rechnen. Man ist im Stickereiverbande einmal der Ver
suchung erlegen, ihn znm Hammer machen zu wollen, welcher
die Fabriksticker-Organisation zertriimmern sollte. Man hat cs
beim ersten, kläglich gescheiterten Versuche bewendet sein lassen.
Diese Erfahrung gestaltet sich zur Lehre für jenen Theil der
schweizerischen Arbeitgeberschaft, welcher an der Versammlung
dès schweizerischen Arbeiterbundes vom Jahre 1890 in Olten
Thesen für ein Berufsgenossenschafts-Gesetz einbrachte mit der
ausgesprochenen Tendenz, einseitig ein Zaum zu sein für die
Arbeiterorganisationen. Die Geschichte des Verbandes zeigt,
daß er zur Bildung von Einzelorganisationen unbeschadet
der Gesammtorganisation förmlich provozirte. Er rief den'
Vereinigungen der Kaufmannschaft, der Fergger, der Fabri
kanten, der Einzelsticker und der Fabriksticker unter sich. Sie
haben dem Solidaritätsgedanken nicht nur nicht Abbruch ge
than, sondern ihn eher zu einem abgeklärteren Bewußtsein
gebracht. Sobald sie ein richtiges Einmündungsgebiet besitzen,
enthalten diese Gruppcnorganisationcn wirthschaftlich nichts