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rigfte und wichtigste soziale Problem" dort zu lösen, wo an eine
Lösung am welligsten geglaubt wurde, in der Großindustrie.
Es darf nicht wundern, wenn man in einer Industrie, in
welcher das kunstgewerbliche Element eine so hervorragende
Rolle spielt, wie in der Stickerei, nicht bei der Organisation
der quantitativen Produktion stehen blieb, sondern auch die
Hebung der qualitativen an Hand nahm. Auf diesem Gebiete
läßt sich im Allgemeinen am leichtesten vperiren, in allen
Füllen viel leichter, da auf demjenigen der quantitativen
Produktionsorganisation, was der Grund sein mag, daß es
i,l allen möglichen und unmöglichen wirthschaftlichen Pro-
granlinvorschlägen die ausgedehnteste Beachtung findet. Es
wird keinem Berufe schwer fallen — einer Industrie so wenig
wie erneut Gewerbe — sein Lehrlingswesen und in Verbin
dung damit die qualitative Seite der Arbeiterfrage zll regeln.
Auch werden überall ohne zu große Schlvierigkeiten Maß-
nahinen getroffen werdeil können, jene Produktionskniffe und
Produktionsweise zu erschweren, welche alls Täuschung der
Kvnsnmenten abzielen und eine ganze Industrie in Verruf
bringen können. Ist der Werth solcher Maßnahmetl unbe
streitbar auch wirthschaftlich ein großer, so liegt der Schwer
punkt der Produktionsorganisation doch stets auf der quan
titativen Seite der Frage.
Die berufenen Organe für ihre Durchführung nach beiden
Richtungen wird man in den Berufsgenossenschaften schaf
fen. Sie allein bieten Garantie, daß bezügliche Maßnahmen
nicht in eine schädliche Experiineittalpolitik ausarten, da jedes
Mitglied weiß, daß es beitragspflichtig an deren Kosten wäre.
Anderseits besitzen nur sie die nöthige Elastizität, jeden Schritt
iil Einklang mit den momentanen Konjunkturen ihres Berufes
zu setzen. Wie sehr solche Korporationen geeignet siild, ihre
Mitglieder von oft befürchteten Ueberspanntheiten 511 bewahren,
zeigt die Verbandsgeschichte, ill welcher wohl auch ein soziales
Programm verwirklicht wurde, dessen wirthschaftlich-sozialer