Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft.
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Es ist nun im einzelnen auf das Ergebnis des Anleiheerfolges und
eine kritische Betrachtung der effektiven Werte, die dem Staate aus der
Anleiheemission zuflossen, einzugehen.
An Barzeichnungen weist das Endergebnis einen Betrag von 6368 Milk
Frcs. auf. Der Finanzminister wies in seinem Bericht darauf hin, daß obige
Summe unter Ausschluß der Bonifikation festgehalten sei. Somit kann nur
der Emissionskurs von 88 % in Ansatz gebracht werden. Demnach er
reicht der effektive Betrag der Barzeichnungen gegen 5603,84 Milk Frcs. 1 ).
Aus den Barzeichnungen konnte die Regierung ihre Schuldenlast
bei der Notenbank in größerem Umfange abdecken. Von dem Erlös
der Lombardierungen, von den bei der Notenbank angesammelten Gut
haben und von sonstigen Einzahlungsstellen flössen dem Schatzamte
direkt oder auf das Giro-Konto bei der Notenbank größere Summen
zu. In der Zeit vom 9. bis zum 16. Dezember sank der Bestand der
privaten Depositen von 2940 Milk Frcs. auf 2214 Milk Frcs., d. h. um
726 Milk Frcs., dagegen stieg der Guthabensaldo des Schatzamtes von
156 Milk Frcs. auf 2237 Milk Frcs., d. h. um 2081 Milk Frcs. Ob das
Schatzamt seine großen Zeichner anwies, auf Bankkonto direkt einzu
zahlen, bzw. von Konto zu Konto zu überweisen, oder ob es den Uber
schuß selbst dorthin überwies, ist nicht bekannt. Mit Hilfe dieses Gut
habens und einem weiteren Zuschuß aus den Eingängen in seinen Kassen
tilgt das Schatzamt bei der Notenbank einen Teil der ihm gewährten
Vorschüsse. Diese sinken von 7600 Milk Frcs. am 16. Dezember bis
5200 Milk Frcs. am 23. Dezember, d. h. um 2400 Milk Frcs. Gleichzeitig
fällt das Guthaben von 2237 Milk Frcs. auf 363 Milk Frcs., die Ab
nahme beträgt also 1874 Milk Frcs.
Die weiteren pflichtmäßigen Einzahlungen dürften in einem lang
samen Tempo erfolgen, da die Einzahlungspflicht für die gezeichneten
Beträge auf 3 Monate verteilt ist. Welchen Grad von Schnelligkeit
Kapitalkraft und Zahlungswillen hier entwickelt haben, kann nicht er
örtert werden, da das Schatzamt den Eingang der Barzeichnungen
nicht bekannt gibt. Nach einer Berechnung der „Frankfurter Zeitung“ * 2 )
dürfte der Eingang bis zum 18. Januar etwa 1468 Milk Frcs. betragen
haben, d. h. nur 23 %, während am Zeichnungstage selbst 10 Frcs. und
am 15. Januar weitere 26 Frcs., also insgesamt 33 % zu leisten waren.
Es ist weiterhin bemerkenswert, daß diese Summe — soweit die Wahr
scheinlichkeitsrechnungen der „Frankfurter Zeitung“ zutreffen — noch zu
etwa 35 % mit Hilfe der Notenbank aufgebracht wurde 3 ).
h Anders Koppe, a. a. O. S. 768: „Die 6368,00 Mill. Frcs. dürfen aber mir zum
Ausgabekurse von 87,25 eingesetzt werden. Ein sicherlich beträchtlicher Teil von ihnen
hat sogar erheblich weniger eingebracht, da die Großbanken, wie erwähnt, für ihre Zeich
nungen nur 85 % zu zahlen hatten. Doch muß dieser Ausfall hier außer Betracht bleiben,
da nicht bekannt ist, wieviel von der Gesamtzeichnung auf die Großbanken entfiel. Zum
Kurse von 87*4 ergeben die Barzeichnungen 5556,08 Mill. Frcs.“
2 ) a. a. O., 31. Februar 1916.
3 ) Nach den Wochenberichten der Notenbank wies der Posten „Vorschüsse an Pri
vate“ folgende Bewegung auf;