Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

man  die  Breitspurigst  des  französischen  und  englischen  Musterschutzverfahrens ­
  mit  dem  so  unendlich  einfachen  im  Stickereiverbände
  vergleicht,  die  sehr  zweifelhafte  und  dazu  noch  sehr
theure  Rechtsprechung  in  dieser  Materie  dort  und  die  billige
und  einfache  hier,  so  wird  man  nicht  lange  im  Zweifel  darüber ­
  sein  können,  welches  System  zu  bevorzugen  ist.

Stickerei,  die  größte  Konkurrenzindustrie,  zur  Bildung  eines
ähnlichen  Verbandes  zu  bewegen  unter  Erstrebung  eines  Kartells
mit  dem  letztem.  Es  war  nicht  Mitleid  mit  der  Lage  der
sächsischen  Sticker,  welches  die  Verbandsleitung  zu  einer  bezüglichen ­
  Thätigkeit  anspornte,  sondern  es  geschah  im  wohlverstandenen ­
  Interesse  des  hiesigen  Verbandes.  Lag  doch  die
Gefahr  nur  zu  nahe,  daß  die  sächsische  Konkurrenz  auf  die
hierseitigen  Verbandswohlthaten  hin  sündigen  könnte,  daß  sie,
nachdem  man  z.  B.  die  Produktion  hier  einschränkte,  nun
erst  recht  über  die  übliche  Zeit  hinaus  arbeiten  und  die  hierseits
  mit  dein  Minimallohn  geschaffene  Lohnbasis  auf  dem
Weltmarkt  zü  unseren  llngunsten  ausbeuten  werde.  Daß  die
Befürchtungen  sich  auf  Thatsachen  stützten,  bewies  der  Versandt ­
  von  Zirkularen  sächsischer  Firmen,  worin  sie  den  großen
Käufern  auf  dem  Weltmärkte  mittheilten,  daß  sie  seit  der
Gründung  des  Stickereiverbandes  für  die  Ostschweiz  und  des
Vorarlbergs  in  der  Lage  seien,  weit  günstigere  Offerten  zu
machen  als  die  schweizerische  Konkurrenz.  Solche  Erscheinungen
bewogen  einen  Theil  der  Kaufmannschaft  1886  zur  Erklärung,
ber  beabsichtigten  Erhöhung  des  Minimallohnes  um  2  Etv.
nur  zuzustimmen,  wenn  mit  Sachsen  etwas  erzielt  werde.
Es  ist  vielleicht  am  Platze,  einige  Bemerkungen  über
das  gegenseitige  Verhältniß  zwischen  der  sächsischen  und  ostschweizerischen ­
  Stickerei  im  Allgemeinen  zu  machen.  Die  erstere
war  Tochterindustrie  der  letzteren  und  ist  es  bis  zu  einem
            
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