Full text : Geschichte des Zentralverbandes der Stickerei-Industrie der Ostschweiz und des Vorarlbergs und ihre wirthschafts- und sozialpolitischen Ergebnisse

den  Antrag  des  Zentralkomite,  als  jenen  der  Kaufmamlschaft  und
stellte  zu  Handen  der  Delegirtenversammlnng  den  folgenden  auf:
1.  Es  sei  der  Minimallohn  auf  allen  Rapporten  zu  belassen. ­

2.  Es  sei  auf  jede  Stickete  mit  oder  unter  10,000  Stichen
eilte  Znschlagstaxe  von  Fr.  2  zn  berechnen.
3.  Es  sei  diese  Norm  mit  dem  1.  November  1887  einzuführen. ­

Die  Dinge  spitzten  sich  so  zn,  daß  man  erwarten  mußte,
die  Gegensätze  würden  an  der  Delegirtenversammlnng  des
30.  September  scharf  aufeinanderplatzen.  Unmittelbar  vor
derselben  beruhigten  sich  die  Gemüther  schon  wesentlich.  Es
wurde  bekannt,  daß  die  größten  sächsischen  Verbandsfirmen
rimdweg  erklärt  hatten,  dem  dortigen  Verbände  den  Rücken
zn  wenden,  falls  er  die  St.  Galler  Beschlüsse  annehme.  Und
wider  Erwarten  fand  der  Antrag  des  Zentralkomite  mit  dem
Zusatz  der  Kaufmannschaft  betreffend  des  Beitritts  des  sächsischen ­
  Verbandes  einstimmige  Annahme,  obwohl  man  sich  bewußt
  war,  daß  die  Frage  der  Mnsterklassisikation  damit  neuerdings ­
  auf  die  lange  Bank  geschoben  wurde.  Zum  zweiten  Mal
hatte  die  zu  fünf  Sechstheilen  aus  Arbeitnehmern  bestehende
Delegirtenversammlnng  mit  Einsicht  und  Weitherzigkeit  begründete ­
  Forderungen  in  der  Lohnfrage  den  Gesammtinteressen
der  Industrie  und  den  Begehren  der  Arbeitgeber  unterordnet,
eine  Haltung,  welche  von  Seite  der  Kanfinannschaft  damals
hoch  gepriesen  wurde.
Die  Zentralleitung  setzte  sich  nunmehr  mit  dem  sächsischen
Verbände  in  Verbindung,  mußte  sich  aber  bald  überzeugen,
daß  keine  Verständigung  in  dieser  Angelegenheit  möglich  war.
Damit  war  der  Beschluß  der  Delegirtenversammlnng  vom
30.  September  hinfällig  getvorden.  Die  Mehrheit  des  Zentralkomites,
  unterstützt  von  einem  Großtheil  der  Kaufleute,  hielt
dafür,  daß  nun  trotzdem  etwas  zn  geschehen  habe,  war  sich
aber  auch  klar,  daß  die  Zuschläge  gegenüber  den  Anträgen
            
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