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eines kleinen, aber gewichtigen Theils der Arbeitgeber geklagt.
Alls diesem Lager ertönte die Entgegnung: „Ihr habt es so
gewollt, schafft die Mnsterklnssisikation ab". Die Erbitterung
erreichte ihren Höhepunkt, als bekannt wurde, daß die Waaren-
ansgabc nach Sachsen so schlvnnghaft betrieben lvlirde, loie
früher, lind znm Theil in tendenziöser Weise, denn zu jener
Zeit kam die Erstellung der Waaren in Sachsen um nichts
billiger als in der Schtveiz. Man verbreitete gehässige Flug
blätter; es loaren unerquickliche Tage. Charakteristisch für
dieselben ist ein Nothschrei eines größeren Fabrikanten nild
Arbeitnehmers, der am 13. Januar in allen ortsüblichen
Blättern erschien. Derselbe verlangte Untersuch darüber, ob
Häuser Waaren in wirklich tendenziöser Weise zurückbehalten
nild wie es sich mit der Waareuansgabe nach Sachsen ver
halte. Gegen die von einigen Firmen geforderte Abschaffung
des Zuschlages lourde eingewendet, daß, meint die Firmen
Ordres hätten, so müßte in deren Lieferpreisen der Zuschlag
bereits figuriren, und dann könnten sie ihn ertragen und
trotz ihm Arbeit ausgeben; hätten sie aber keine Ordres,
dann nütze die von ihnen verlangte Reduktion erst recht nichts,
es würde dann doch keine Waare ausgegeben; das ganze
Manöver ziele dahin, den Verband zu unterminiren. „Aber
da sei Gott vor" — hieß es am Schlüsse jenes Appells —
„lieber wollen wir mit unseren Familien darben, als unsere
von einsichtigen und patriotischen Männern geschaffene Ver
bandsinstitution preisgeben, um unsere schöne Industrie dem
trügerischen Spiel der Spekulation neuerdings in den Rachen
zu werfen."
Diese Aeußerung mag auch zeigen, daß sich die Arbeit
nehmer über den Werth des Verbandes nachgerade auch in
Zeiten bewußt waren, in welchen trotz desselben Mangel und
Sorge an sie herantraten, ja daß sie gerade in solchen Zeiten
in ihm den festen Riickhalt sahen, der ihr Vertrauen steifte.
Noch größer war die Erbitterung in den Kreisen der