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Großbritannien (Leder-, chemische Industrie).
pro Pfund belegt; seitdem dieselbe aufge
hoben wurde, begann der Aufschwung.
Die Masse des gegenwärtig verarbeiteten
Rohmaterials ist kolossal. Nach der An
nahme, daß jährlich ein Viertel des Vieh
stands geschlachtet wird, nrüssen pro Jahr
2350000 inländische Ochsen-, Kuh- und Kalbfelle,
8000000 inländische Schaf- und Lammfelle,
500000 inländische Pferdehäute
im Gesamtwert von 120—140 Mill. Mk.
an die Gerbereien geliefert werden. Dazu
koiilinen die Importe 1879:247,768 Rin
der lind Kälber und 944,888 Schafe und
Lämmer, lvclchc zu den Schlachtbäilkeil
geführt wurden. Von rohen Häuten wur
den 1879: 1,011,991 Ctr. im Wert von
64 Mill. Mk. eingeführt. Freilich gelangt
auch ein Teil der rohen Häute wieder jur
Ausfuhr. Nach dein Census von 1871 gab
es 55,000Gerber, lt.bie Anzahl der größer»
Gerbereietablissements belief sich auf 800,
in welchen ca. 3,800,000 Ctr. Häute und
Felle verarbeitet wurden. Wie die Häute
aus den verschiedensten Gegenden der Welt
zusammengeführt werden, so kommt auch
der bei ihrer Verarbeitung verwandte
Gerbstoff aus allen Erdteilen. So wilrden
unter anderm 1879 importiert: Gerb
rinde 8,3 Mill. Mk., Sumach 3.4 Mill.
Mk., Knoppern 10,8 Mill. Mk., Extrakte
9,7 Mill. Mk. So bedeutend aber auch
die Gerberei ist. so vermag sie den von ihr
abhängigen Industrien doch nicht das nö
tige Material zu liefern, und bedeutende
Einfuhren von gegerbtem, weißgarcm nnd
rohem Leder sind nötig. 1879 wurden aus
Indien, Nordamerika, Australien einge
führt zubereitete Häute und Felle für 50
Mill. Mk. Dagegen tritt die Lederindu
strie, soweit sic sich auf die Fabrikation von
Lederwaren richtet, in einigenZweigenwe
nigstens, recht ansehnlich auf ausländischen
Märkten auf. Sattler waren gehen
meist in die englischen Kolonien; die'Auö-
fuhr, welche ziemlich stationär geblieben
ist, hatte 1879 einen Wert von 8,481,000
Mk. Die Handschuhfabrikation hat
ihre Sitze in London, Woodstock, Worcester,
Pervil u. a.; indes beträgt die Zahl der
größer« Fabriken nur 13, in welchen
2000 Fabrikarbeiter beschäftigt sind. Doch
kann die englische Manufaktur nicht mit
der auswärtigen konkurrieren. 1852 wur
den 2,800,000 Paar Handschuhe impor
tiert und 3,972,000 inr Land selbst fabri
ziert. Seitdenr ist 1879 der Import auf
1,062,747 Paar im Wert voir über 25,7
At ill. Mk. gestiegen. Der Handel mit
andern Lederwaren zeigt aber eine für
England durchaus günstige Bilanz, denn
er betrug 1879 (in Millionen Mark):
Einfuhr Ausfuhr
Stiefel und Schuhe. ... 9,« 29,u
Andre dergleichen Waren . 5,2 7,4
1>. Chemische Industrie.
In der Erzeugung von Chemikalien
nimmt die Soda-Industrie die erste Stelle
iil der Welt ein. Hauptsitze sind: ^New
castle upon Tyne, Liverpool, Glasgow,
Bristol; für die Fabrikation von Phos
phor Birmingham, voll chemisch-phar
maceutischen Präparaten London uiib
Edinburg, von Borax Stratford. Sehr
bedeutend ist auch die Produktion voll
Parfümerien. Dic Jodfabrikcn von Glas
gow, wo jährlich ca. 400,000 Ctr. See
tang aufgearbeitet werden, versorgen fast
alle Länder. Von Laugensalzen verschie-
deiler Art exportierte G. 1879: 6,3 Mill.
Ctr. für40,2 Mill. Mk. Unter den Abneh
mern stehen vorail: Vereinigte Staaten
mit 19,6Mill., Deutschland mit 4,8Mill.,
Rußland mit 3,2 Mill., Holland mit 1,8
Mill., Belgien mit 1,4 Mill. Mk. Aller
dings wird noch immer ein beträchtlicher
Wert importiert, 1879 war die
Einfuhr . . 17,8 Mill. Mk.
Ausfuhr . . 42,7 - -
Von Stearinlichten wurden 1879 ein
geführt für 6,5 Mill. Mk., während sich die
Ausfuhr von Lichten aller Art 1878 auf nur
3,4 Mill. Mk. bezifferte; Droguen wur
den 1878 im Wert von 9,7 Mill. Mk. im
portiert. Für die Darstellung von Far
ben ist London das Ceiltrllin. Zu diesem
Zweck wurden 1879 außer den obenge
nannten Farbhölzern (6,7 Mill. Mk.) noch
für 7,3 Mill. Mk. Kochenille, für 38,i Mill.
Mk. Indigo re. eingeführt, wovon für
26 Mill. Mk. Indigo, für 4,9 Mill. Aik.
Kochenille und für 2,2 Mill. Mk. Farb
stoffe wieder exportiert wurden. Und
wenn G. auch ansehnliche Posten von
Malerfarben und -Material (1879: 20,6