Full text : Lexikon der Handelsgeographie

232

Großbritannien  (Leder-,  chemische  Industrie).

pro  Pfund  belegt;  seitdem  dieselbe  aufgehoben ­
  wurde,  begann  der  Aufschwung.
Die  Masse  des  gegenwärtig  verarbeiteten
Rohmaterials  ist  kolossal.  Nach  der  Annahme, ­
  daß  jährlich  ein  Viertel  des  Viehstands ­
  geschlachtet  wird,  nrüssen  pro  Jahr
2350000  inländische  Ochsen-,  Kuh-  und  Kalbfelle,
8000000  inländische  Schaf-  und  Lammfelle,
500000  inländische  Pferdehäute
im  Gesamtwert  von  120—140  Mill.  Mk.
an  die  Gerbereien  geliefert  werden.  Dazu
koiilinen  die  Importe  1879:247,768  Rinder ­
  lind  Kälber  und  944,888  Schafe  und
Lämmer,  lvclchc  zu  den  Schlachtbäilkeil
geführt  wurden.  Von  rohen  Häuten  wurden ­
  1879:  1,011,991  Ctr.  im  Wert  von
64  Mill.  Mk.  eingeführt.  Freilich  gelangt
auch  ein  Teil  der  rohen  Häute  wieder  jur
Ausfuhr.  Nach  dein  Census  von  1871  gab
es  55,000Gerber,  lt.bie  Anzahl  der  größer»
Gerbereietablissements  belief  sich  auf  800,
in  welchen  ca.  3,800,000  Ctr.  Häute  und
Felle  verarbeitet  wurden.  Wie  die  Häute
aus  den  verschiedensten  Gegenden  der  Welt
zusammengeführt  werden,  so  kommt  auch
der  bei  ihrer  Verarbeitung  verwandte
Gerbstoff  aus  allen  Erdteilen.  So  wilrden
unter  anderm  1879  importiert:  Gerbrinde ­
  8,3  Mill.  Mk.,  Sumach  3.4  Mill.
Mk.,  Knoppern  10,8  Mill.  Mk.,  Extrakte
9,7  Mill.  Mk.  So  bedeutend  aber  auch
die  Gerberei  ist.  so  vermag  sie  den  von  ihr
abhängigen  Industrien  doch  nicht  das  nötige ­
  Material  zu  liefern,  und  bedeutende
Einfuhren  von  gegerbtem,  weißgarcm  nnd
rohem  Leder  sind  nötig.  1879  wurden  aus
Indien,  Nordamerika,  Australien  eingeführt ­
  zubereitete  Häute  und  Felle  für  50
Mill.  Mk.  Dagegen  tritt  die  Lederindustrie, ­
  soweit  sic  sich  auf  die  Fabrikation  von
Lederwaren  richtet,  in  einigenZweigenwenigstens, ­
  recht  ansehnlich  auf  ausländischen
Märkten  auf.  Sattler  waren  gehen
meist  in  die  englischen  Kolonien;  die'Auöfuhr,
  welche  ziemlich  stationär  geblieben
ist,  hatte  1879  einen  Wert  von  8,481,000
Mk.  Die  Handschuhfabrikation  hat
ihre  Sitze  in  London,  Woodstock,  Worcester,
Pervil  u.  a.;  indes  beträgt  die  Zahl  der
größer«  Fabriken  nur  13,  in  welchen
2000  Fabrikarbeiter  beschäftigt  sind.  Doch
kann  die  englische  Manufaktur  nicht  mit

der  auswärtigen  konkurrieren.  1852  wurden ­
  2,800,000  Paar  Handschuhe  importiert ­
  und  3,972,000  inr  Land  selbst  fabriziert. ­
  Seitdenr  ist  1879  der  Import  auf
1,062,747  Paar  im  Wert  voir  über  25,7
At  ill.  Mk.  gestiegen.  Der  Handel  mit
andern  Lederwaren  zeigt  aber  eine  für
England  durchaus  günstige  Bilanz,  denn
er  betrug  1879  (in  Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
Stiefel  und  Schuhe.  ...  9,«  29,u
Andre  dergleichen  Waren  .  5,2  7,4
1>.  Chemische  Industrie.
In  der  Erzeugung  von  Chemikalien
nimmt  die  Soda-Industrie  die  erste  Stelle
iil  der  Welt  ein.  Hauptsitze  sind:  ^Newcastle ­
  upon  Tyne,  Liverpool,  Glasgow,
Bristol;  für  die  Fabrikation  von  Phosphor ­
  Birmingham,  voll  chemisch-pharmaceutischen ­
  Präparaten  London  uiib
Edinburg,  von  Borax  Stratford.  Sehr
bedeutend  ist  auch  die  Produktion  voll
Parfümerien.  Dic  Jodfabrikcn  von  Glasgow, ­
  wo  jährlich  ca.  400,000  Ctr.  Seetang ­
  aufgearbeitet  werden,  versorgen  fast
alle  Länder.  Von  Laugensalzen  verschiedeiler
  Art  exportierte  G.  1879:  6,3  Mill.
Ctr.  für40,2  Mill.  Mk.  Unter  den  Abnehmern ­
  stehen  vorail:  Vereinigte  Staaten
mit  19,6Mill.,  Deutschland  mit  4,8Mill.,
Rußland  mit  3,2  Mill.,  Holland  mit  1,8
Mill.,  Belgien  mit  1,4  Mill.  Mk.  Allerdings ­
  wird  noch  immer  ein  beträchtlicher
Wert  importiert,  1879  war  die
Einfuhr  .  .  17,8  Mill.  Mk.
Ausfuhr  .  .  42,7  -  -
Von  Stearinlichten  wurden  1879  eingeführt ­
  für  6,5  Mill.  Mk.,  während  sich  die
Ausfuhr  von  Lichten  aller  Art  1878  auf  nur
3,4  Mill.  Mk.  bezifferte;  Droguen  wurden ­
  1878  im  Wert  von  9,7  Mill.  Mk.  importiert. ­
  Für  die  Darstellung  von  Farben ­
  ist  London  das  Ceiltrllin.  Zu  diesem
Zweck  wurden  1879  außer  den  obengenannten ­
  Farbhölzern  (6,7  Mill.  Mk.)  noch
für  7,3  Mill.  Mk.  Kochenille,  für  38,i  Mill.
Mk.  Indigo  re.  eingeführt,  wovon  für
26  Mill.  Mk.  Indigo,  für  4,9  Mill.  Aik.
Kochenille  und  für  2,2  Mill.  Mk.  Farbstoffe ­
  wieder  exportiert  wurden.  Und
wenn  G.  auch  ansehnliche  Posten  von
Malerfarben  und  -Material  (1879:  20,6
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.