1878—1899.
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doch einen Markstein die I. Haager Friedenskonferenz, die unter Be
teiligung von 26 Staaten am 18. Mai 1899 zusammentrat. Gelang
es hier auch nicht, die Abrüstungsfrage zu lösen, so hat sie doch an
knüpfend an die Beschlüsse der nicht zur Vereinbarung gediehenen
Brüsseler Konferenz von 1874 ein umfassendes Kriegsrechtsbuch ge
schaffen und, was nicht weniger bedeutsam ist, das sogenannte Friedens
abkommen, auf dem das Haager Schiedsgericht beruht. Weiter enthält
die Schlußakte vom 29. Juli 1899 ein Abkommen betreffend die An
wendung der Genfer Konvention von 1864 auf den Seekrieg, während
drei Erklärungen sich mit der Einschränkung der Feindseligkeiten int
Kriege beschäftigen. Weiter wurde eine Resolution einstimmig ange
nommen, daß für das Wachstum des materiellen und moralischen
Wohls der Menschheit eine Einschränkung der Militärlasten, die gegen
wärtig auf der Welt lasteten, dringend wünschenswert sei. Sechs
Wünsche stellten ein Programm für eine zukünftige Friedenskon
ferenz auf.
Waren die beiden letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts relativ
friedlich verlaufen, so ist seit Beginn des 20. der Krieg beinahe in
Permanenz erklärt gewesen. Es beginnt mit schweren Kämpfen int
äußersten Osten wie int schwarzen Erdteil. England, das sich in den
90er Jahren zu dem Grundsatz der „Glänzenden Isolierung" bekannt
hatte und das sich trotz gelegentlicher Reibungen, so 1896 mit Frank
reich in der Faschoda-Ängelegenheit, von stärkeren Engagements fern
hielt und namentlich ausgeprägte Freundschaft zu Österreich-Ungarn
und freundliche Stellung zu Deutschland zeigte, an das es 1890,
int Austausch gegen das Sultanat Zanzibar, Helgoland abgetreten
hatte, beginnt Ende 1899 seinen Krieg gegen die Buren-Republiken,
die 1881—1884 unter seinem Protektorat gestanden, seitdem aber
wieder eine unabhängige Stellung mit der einzigen Einschränkung
angenommen hatten, daß England gegenüber Verträgen der Trans
vaal-Republik ein befristetes Vetorecht besessen hatte. Der Buren
krieg endigte mit der völligen Niederwerfung Transvaals und des
Oranje-Freistaates int Frieden von Prätoria 1901. Er hatte England
gezeigt, daß es viel Feinde, aber keine Freunde besaß und es ver
anlaßt, dem Gedanken eines Bündnisses mit Deutschland näherzu
treten, das leider an betn Widerstand Bülows und der damals be
ginnenden Flottenpolitik des Kaisers gescheitert ist. Ein Zeichen der
allgemeinen europäischen Entspannung wie der Solidarität der durch