fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Kräuter 
226 
Krauseminze 
sind. Das Innere ist grauweiß, hornartig, sehr 
zähe und schwer zu pulvern. Von den drei 
Handelssorten Bombay-, Köchin- und Madras-K. 
zeigt die Bombaysorte die seidenartige Beschaffen 
heit der Oberfläche am deutlichsten, Madras am 
wenigsten. Die intensiv bitter schmeckenden K. 
enthalten die Alkaloide Strychnin, Bruzin und 
das noch nicht genügend untersuchte Igasurin. 
Im Kleinhandel .dürfen sie nicht verkauft werden. 
Kräuter (lat.Herbae) nennt man in der Drogen 
kunde ein- oder zweijährige w.ld wachsende, durch 
Kundige gesammelte Gewürz- oder Arzneipflan 
zen von .niedrigem Wachstum oder auch in Gärt 
nereien gezogene Küchen- und Garten-, Farb- 
und Futterpflanzen. In den Handel kommen be 
sonders die Küchen-, Gewürz- und Arzneikräuter. 
Das Sammeln der wild wachsenden Kräuter er 
fordert genaue Kenntnisse, vor allem die sorg 
same Scheidung der giftigen von den nicht gif 
tigen, da der Handel scharfer Kontrolle unterliegt. 
Die Sammler bringen die Ware direkt an die 
Großhandlungen oder Apotheker und Drogisten, 
während die Gärtner auf Bestellung und nach 
Verzeichnissen mit Preisangaben liefern. Zur 
Aufbewahrung dienen in luftigen Räumen auf 
gestellte Säcke, leichte Fässer oder Kisten, da 
sich im feuchten Raume Schimmel bildet, wel 
cher die Waren wertlos macht. Die Thüringer 
Lande und die Gebirgsgegenden sind die besten 
Bezugsquellen. Besonders die Umgebungen von 
Erfurt und Gotha zeichnen sich durch ausgedehn 
ten Kräuteranbau und -handel aus. 
Kräuterkäse (grüner Käse) ist ein fettarmer, 
aus gereiftem Zieger unter Zusatz reichlicher 
Mengen von gepulvertem Steinklee (Melüotus), sog. 
Käsepülver, hergestellter Käse, der entweder 
in Kegelform als Reibkäse (Glarner Schabzieger) 
oder in ziegelförmigen, mit dem Messer noch 
schneidbaren Stücken (bayrisches und württem- 
bergisches Allgäu) in den Handel kommt. Er 
enthält neben 37—47% Wasser 6,6—20% Fett 
und 34—46% Stickstoffsubstanzen, die zum Teil 
in lösliche Form (Amide) übergegangen sind. 
Der während des Krieges beobachtete Ver 
such, zur Umgehung der Höchstpreise gewöhn 
lichen, mit etwas Kümmel und Paprika gewürzten 
Quark als K. zu vertreiben, ist von den Dresdner 
Gerichten als unzulässig bezeichnet worden. 
Krappwurzel (Färberröte, lat. Radix rubiae 
tinctorum, frz. Garance, engl. Madder), die ge 
pulverte Wurzel der Rubiazee Rubia tinc 
torum, war bis vor wenigen Jahrzehnten neben 
dem Indigo der wichtigste Pflanzenfarbstoff und 
schon im Altertum bei Griechen, Römern und 
Orientalen im Gebrauch, hat aber seit der Ent 
deckung des künstlichen Alizarins (s. d.) immer 
mehr an Bedeutung verloren. Die unserem Wald 
meister verwandte Pflanze ist im Orient hei 
misch, wurde aber später in Europa, besonders 
in Frankreich, in großem Maßstabe angebaut, 
bis der Aufschwung der Alizarinindustrie den 
Anbau unlohnend machte. Die Pflanze treibt 
ziemlich lange Wurzeln, die mühsam gegraben 
und dann nach Entfernung der anhängenden 
Erde erst an der Luft und schließlich in Trocken 
stuben soweit getrocknet werden, daß sie beim 
Biegen kurz durchbrechen. In Form ganzer 
Wurzeln kommt nur der ohne künstliche Wärme 
getrocknete orientalische K. (Lizari, Alizari) 
in den Handel, während die abendländische 
Ware entweder zu einem groben Pulver ver 
mahlen wird oder einer weiteren Verarbeitung 
zu verschiedenen Farbstoffen unterliegt. Die- 
knotigen, mit feinen Haaren besetzten Wurzeln; 
sind von einer braunroten, längsrunzeligen Ober 
haut mit leicht ablösbarer Korkschicht umgeben. 
Darunter liegt die eigentliche dunkelbraune Rinde, 
die einen bitteren, rötlichgelben bis roten Holz 
kern einschließt und neben letzterem den Sitz 
des Farbstoffs, der Ruberythrinsäure, bildet.. 
Zur Herstellung der besten Handelssorten wird 
daher die Oberhaut mit den Saugwurzeln durch 
Dreschen möglichst entfernt und der gereinigte 
Rückstand durch Mühlsteine oder Stampfwerke 
pulverisiert. Diese Ware führt den Namen be 
raubter K., im Gegensatz zu dem minderwer 
tigen, mit Oberhaut und Wurzelfasern vermah- 
lenen unberaubten K. Der bei Gewinnung des. 
ersteren erhaltene Abfall wird ebenfalls pulve 
risiert und liefert den Mullkrapp (Mull,, 
Körte, Krappklein), ein braunes Pulver, das. 
nur zum Braun- und Schwarzfärben dient. Zu 
Färbereizwecken wird das Krappulver nur 
selten frisch verbraucht, sondern meist vorher 
2—3 Jahre in Fässern, fest eingestampft, auf 
bewahrt, wobei sich durch eine Gärung das; 
Färbevermögen entwickelt. Bei noch längerer 
Aufbewahrung nimmt letzteres wieder ab und 
verschwindet schließlich vollständig. Das Fär 
ben mit K. erfolgt in gleicher Weise wie mit 
seinem rein dargestellten Farbstoff, dem Aliza- 
rin, von dem es sich nur durch den Gehalt an. 
Purpur in unterscheidet. Man hat aber zur Er 
leichterung der Färbung eine Reihe von Zu 
bereitungen hergestellt, welche durch Entfer 
nung verunreinigender Beimengungen und Um 
wandlung der Ruberythrinsäure reinere und 
intensivere Töne ergeben. Garanzin oder 
Krappkohle entsteht bei der Behandlung von. 
K. mit heißer konzentrierter Schwefelsäure, wo 
bei die meisten organischen Stoffe, mit Aus 
nahme des Alizarins, zerstört werden und der 
reine Farbstoff zurückbleibt. Durch ähnliche 
Verarbeitung teilweise ausgebrauchter Krapp 
reste erhält man das Garanceux, durch eine 
Vergärung des mit warmem Wasser angerühr 
ten K. die sog. Krappblumen. 
Kraterschlangen (Choleramännchen) nennt 
man einen als Kinderspielzeug oder „Scherz 
artikel“ verkauften Gegenstand, der wegen seiner 
bedenklichen Eigenschaften mehrfach die Ge 
richte beschäftigt hat. Das Spielzeug besteht 
aus Tonfiguren in Form von Menschen oder 
Tieren, in deren Leibesöffnungen Patronen aus 
Rhodanquecksilber eingeführt werden, die sich 
beim Anzünden wurstartig aufblähen (Pharao- 
schlangen). Da hierbei giftige Dämpfe von 
Quecksilber, schwefliger Säure und Blausäure 
entstehen, ist der Verkauf nach § 12 des Nah 
rungsmittelgesetzes strafbar. 
Krauseminze (lat. Folia seu Plerba menthae 
crispae, frz. Feuille, Herbe de menthe cröpue, 
engl. Curled mint leaves), das bekannte, zu den 
Lippenblütlern gehörige aromatische Kraut, 
das in Gärten vorkommt und vielfach auf Feh 
dem angebaut wird, ist durch Züchtung aus 
wilden Minzen, entweder der Bachminzc 
(Mentha aquatica), oder der Waldminze (M--
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.