Full text : Zur Erneuerung des deutschen Bankgesetzes

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an,  wenn  geklagt  wird,  die  dentsche  Produktion  werde  durch  die
Diskontpolitik  der  Reichsbank  jährlich  mit  Hunderten  von  Millionen  Mk.
belastet,  welche  der  französischen  Volkswirtschaft  durch  die  höhere  Einsicht ­
  der  Bank  von  Frankreich  erspart  würden.  Daß  es  das  bessere
Gedeihen  der  deutschen  Volkswirtschaft  ist,  welches  die  Gewinne  nnb
damit  den  Zinsfuß  steigert  und  welches  die  deutsche  Produktion  in
Stand  setzt,  höhere  Diskontsätze  zu  tragen,  während  die  französische
Volkswirtschaft  trotz  dauernd  niedriger  Diskontsätze  stagniert,  wird
gänzlich  übersehen,  und  die  Herren,  welche  aus  Vorliebe  für  den
französischen  Bimetallismus  Propaganda  für  die  französische  Prämienpolitik ­
  machen,  scheinen  ganz  vergessen  zu  haben,  daß  sie  vor  der
Erhöhung  des  Diskontniveaus,  im  Jahre  1894,  als  die  Reichsbank
länger  als  ein  Jahr  einen  Diskont  von  3  °/o  hielt,  den  niedrigen
Zinsfuß  als  Beweis  für  den  —  natürlich  durch  die  Goldwährung  verursachten ­
  —  wirtschaftlichen  Niedergang  dargestellt  haben.
Wer  überhaupt  in  das  Wesen  der  Diskontpolitik  eingedrungen
ist,  wird  niemals  in  Versuchung  geraten,  die  Angriffe,  welche  gegen
die  Diskontpolitik  der  Reichsbank  gerichtet  werden,  für  gerechtfertigt
zu  halten.  Wer  einmal  erkannt  hat,  wie  wenig  selbst  die  mächtigste
Centralbank  imstande  ist,  eine  willkürliche  Diskontpolitik  zu  treiben,
wie  sie  vielmehr  nur  vorbereitend  und  ausgleichend  wirken  kann,  der
wird  die  beste  Rechtfertigung  der  hohen  Diskontsätze  der  Reichsbank
darin  erblicken,  daß  trotz  5*/g  und  6  %  Diskont  der  Status  der  Reichsbank ­
  gegenwärtig  eine  Anspannung  aufweist,  wie  nie  zuvor.  Würde
die  Reichsbank  dem  agrarischen  Drängen  auf  billigen  Diskont  nachgeben ­
  und  damit  auf  die  in  Rücksicht  auf  die  verfügbaren  Mittel
notwendige  Beschränkung  der  Kreditansprüche  verzichten,  so  wäre
die  Folge  ein  weiteres  Anschwellen  ihrer  Anlage  nnb  eine  gefahrdrohende ­
  Ausdehnung  des  ungedeckten  Notenumlaufs,  kurz  eine  Entwickelung, ­
  welche  nur  in  einer  gewaltigen  Kreditkrisis  ihr  Ende  finden
könnte.  Immer  wieder  muß  gegenüber  den  Angriffen  auf  die  Diskontpolitik ­
  der  Neichsbank  betont  werden,  daß  die  erste  Aufgabe  einer
Centralbank  die  Sorge  für  die  Einlösbarkeit  ihrer  Noten  und  die
Sicherheit  des  Geldwesens  ist,  und  daß  sich  ihre  Kreditgewährung
dieser  Aufgabe  durchaus  unterzuordnen  hat.
            
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