Full text : Zur Erneuerung des deutschen Bankgesetzes

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für  den  Bimetallismus.  Boíl  Deutschland  ist  nun  der  Aufschwung
der  letzten  Jahre  ausgegangen,  Deutschland  hat  mit  intensivsten  an
ihm  teilgenommen;  erst  später  hat  er  sich  auf  England  und  die
Vereinigten  Staaten  übertragen,  während  Frankreich  bis  in  die  letzte
Zeit  einer  förmlichen  Stagnation  verfallen  schien.  Während  die
deutsche  Handelsflotte,  die  vor  einem  Vierteljahrhundert  gegenüber  der
französischen  nichts  bedeutete,  diese  weit  überflügelt  hat  und  stetig
weiter  wächst,  macht  die  französische  Handelsflotte  trotz  aller  Schiffsbau-Prämien ­
  keine  Fortschritte.  Während  der  deutsche  Außenhandel
früher  wesentlich  unbedeutender  war  als  der  französische,  belief  sich
im  Jahre  1897  die  deutsche  Ausfuhr  auf  3675  Millionen  Aik.,  die
französische  Ausfuhr  nur  ans  2976  Millionen  Mk.  Wie  sehr  der
niedrigere  französische  Diskontsatz  durch  das  größere  Angebot  flüssiger
Mittel  und  die  geringere  Nachfrage  nach  solchen  verursacht  ist,  ergiebt
sich  daraus,  daß  die  Bank  von  Frankreich  bis  in  die  letzte  Zeit  infolge
der  starken  Konkurrenz  der  privaten  Diskonteure  Mühe  hatte,  bei
einem  Diskontsatz  von  2  °/o  ihre  Mittel  zu  beschäftigen  und  ihr
Wechselportefeuille  zu  füllen,  während  umgekehrt  die  Neichsbank
Mühe  hat,  vermittelst  eines  Diskontsatzes  von  5  %  und  jetzt  sogar
6  °/o  die  an  sie  herantretenden  Kreditansprüche  zu  beschränken.
Zur  Verschärfung  der  Anspannung  des  deutschen  Geldmarktes
hat  zweifellos  das  Börsengesetz,  dessen  Zustandekommen  wesentlich
denjenigen  Kreisen,  die  heute  am  lautesten  über  die  hohen  Diskontsätze ­
  klagen,  zu  verdanken  ist,  einiges  beigetragen.  Durch  die  Unterdrückung ­
  des  Terminhandels  aus  einem  weiten  Gebiete  hat  der  Verkehr ­
  per  Kassa,  welcher  ein  größeres  Quantum  flüssiger  Mittel  notwendig ­
  macht,  eine  erhebliche  Ausdehnung  erfahren.  Mit  Recht
bemerkt  darüber  der  letzte  Jahresbericht  der  Hamburger  Handelskammer: ­
  „Je  mehr  daraus  hingewirkt  wird,  die  einen  schnelleren
Umsatz  herbeiführenden  börsenmäßigen  Einrichtungen  des  Handels  zu
desorganisieren,  desto  mehr  wird  auch  dauernd  mit  einer  höheren
Inanspruchnahme  der  Geldumlaufsmittel  der  Neichsbank  zu  rechnen
sein."  —  Die  Hauptursache  der  starken  Anspannung  des  Geldmarktes
ist  und  bleibt  jedoch  die  gesteigerte  Thätigkeit  der  deutschen  Industrie.
Wenn  man  diese  Verhältnisse  unbefangen  überblickt,  wenn  man
Deutschland  bei  hohen  Diskontsätzen  in  einem  erfreulichen  Ausschwung
sieht,  Frankreich  dagegen  bei  einem  niedrigeren  Diskont  in  einer
förmlichen  wirtschaftlichen  Lähmung,  dann  kann  man  nicht  ohne  ein
Lächeln  die  schweren  Vorwürfe  lesen,  welche  gegen  die  Diskontpolitik
der  Neichsbank  erhoben  werden.  Es  hört  sich  doch  gar  zu  sonderbar
            
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