Full text : Zur Erneuerung des deutschen Bankgesetzes

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gesetzes  konnten  deshalb  von  der  Reichsbank  nicht  befolgt  werden.
Ebenso  wie  die  Reichsbank  häufig  bei  Kontingentsüberschreitungen
bei  einem  Diskont  von  4  und  3  °/o  geblieben  ist,  ebenso  hat  sie  sich
andrerseits  manchmal  genötigt  gesehen,  ihren  Diskont  auf  5°/o,  ja
selbst  aus  6  %  zu  erhöhen,  ohne  daß  eine  Kontingentsüberschreitung
eingetreten  war  oder  in  Aussicht  stand.
Es  ist  im  Rahmen  dieser  Schrift  unmöglich,  eine  Geschichte
der  Diskontpolitik  der  Reichsbank  zu  geben  und  die  Diskontveränderungen ­
  im  einzelnen  zu  verfolgen.  Wir  müssen  uns  zur  Beurteilung
dieses  Teiles  der  Wirksamkeit  der  Reichsbank  mit  den  Ergebnissen
begnügen,  welche  sie  erzielt  hat.
c)  Die  Diskontpolitik  der  Reichsbank  im  Dienste  der
deutschen  Währung.
Die  Aufgabe  der  Erhaltung  der  deutschen  Valuta  war  in  Anbetracht ­
  der  Verhältnisse  des  deutschen  Geldwesens  überaus  schwierig.
Roch  vor  der  Umwandlung  in  die  Reichsbailk,  im  Juli  1875,  hatte
die  Preußische  Bank  auf  Veranlassung  des  Reichskanzleramtes  angefangen, ­
  trotz  der  noch  unvollendeten  Währungsreform  ihre  Zahlungen
in  Gold  zu  leisten.  Durch  diese  für  die  Zukunft  des  deutschen
Geldwesens  entscheidende  Maßregel  war  damals  einer  vorübergehenden
Valutakrisis  ein  Ende  gemacht  worden.  Die  Reichsbank  hat  seither
auch  unter  den  schwierigsten  Verhältnissen  die  Praxis  ausrecht  erhalten, ­
  auf  Verlangen  in  Gold  zu  zahlen;  sie  hat  dadurch  die  unbedingte ­
  Stabilität  der  deutschen  Valuta  gesichert,  der  Wiederkehr
eines  Goldagios  imb  einer  anomalen  Steigerung  der  Wechselkurse
auf  das  Ausland  vorgebeugt*.
Die  vorzeitige  Einstellung  der  Silberverkäufe  (1879)  stellte  eine
Zeit  lang  die  Möglichkeit  der  Aufrechterhaltung  der  Goldzahlungen
seitens  der  Reichsbank  und  damit  die  deutsche  Goldvaluta  ernsthaft
in  ^-rage.  Richt  nur,  daß  diese  Maßregel  den  deutschen  Geldumlauf
dauernd  mit  einem  Betrag  von  mehreren  hundert  Millionen  Mark
in  Thalern  belastete,  welche  für  die  Bedürfnisse  des  Verkehrs  überstüssig
  waren  und  durch  ihre  Unterwertigkeit  an  sich  scholl  eine  Bedrohung ­
  der  deutschen  Valuta  bildeten:  diese  überflüssigen  Thaler
sammelten  sich  an  der  für  die  Erhaltung  der  deutschen  Valuta  wichtigsten ­
  Stelle,  in  den  Kassen  der  Reichsbank.  Da  die  Reichsbailk  auf
Verlangen  iit  Gold  zahlte,  selbst  aber  die  Thaler  bis  zu  jedeiu  Betrag
1  Siehe  meine  Geschichte  der  deutschen  Geldreform,  S.  385,  386.
            
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