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b) Die fiskalische Begründung der Verstaatlichung.
Wenn nian zu einer richtigen Beurteilung der Verstaatlichungsfrage
kommen will, muß man sich stets vor Augen halten, daß die
Verstaatlichung nichts anderes bedeutet, als daß die Reichsregierung,
welche heute schon die Reichsbank leitet und beaufsichtigt, die Reichsbank
statt mit privatem Kapital mit Reichsmitteln betreibeil soll.
Deshalb ist der einzige von agrarischer Seite für die Verstaatlichung
allgeführte Grund, der wirklich mit der Verstaatlichung etwas zu
thun hat, rein finanzieller Natur. Das Reich, so wird behauptet,
mache deil Allteitseigllerll der Reichsbank durch die Überlassnilg des
Rotellrechts ein gäilzlich ullmotiviertes Gescheilk im Betrag voll
vielen Millionen Mark b
Es seien zunächst die thatsächlichen Verhältnisse dargelegt.
Seit ihrer Begründung Hut die Reichsbailk ihren Anteilseigllern
eine durchschnittliche Jahresdividende von 6,54 °/o gezahlt. Weiln
man davon ausgeht, daß sich das Reich zu 3 bis 3bs b'o Geld beschaffeil
kann, so liegt der Gedanke nahe, das Reich hätte bei Errichtung
der Reichsbank auf Reichsmittel jährlich 3 bis 3Vs °/o auf die
120 Millionen Mark des Grundkapitals der Reichsbailk sparen können,
ulld folglich habe es dell Anteilseigllern der Reichsbank dlirch die
Überlassung des Roteilrechtes ein beträchtliches Gescheilk gemacht.
So einfach liegt jedoch die Sache nicht.
Eininal wurden die Anteilscheiile der Reichsbank bei ihrer Begründllllg
llicht zu ihrem Renllwert, fonbern zu einem Kurs von
130 begebeil, sodaß sich die durchschnittliche Verzinsung des von den
Anteilseignern thatsächlich eingezahlten Kapitals nur auf etwa
5 °/o stellt.
Ferner war, als die Reichsballk begrünbet wurde, der Zinsfuß,
zu welchem sich Reichsanleihen al pari unterbringen ließen, etwa
4Va o/o, und erst im Saufe des verflossenen Vierteljahrhunderts ist
er allmählich bis nahe an 3 °/o gesunken.
Mit dem Betrieb eines jedeil Vallkgeschäftes ist außerdein ein
gewisses Risiko verbuilden, das eine höhere Verzinsung verlangt als
Staatspapiere, bereit regelmäßige Zinserträgnisse absolut gesichert
sind. Wellll allch die Reichsbank bisher noch niemals nennenswerte
1 So namentlich Dr. Otto Arendt in seiner Broschüre „Die Zukunft der
Reichsbank", 1889, und in verschiedenen Artikeln des „Deutschen Wochenblatts".
Ferner G. Ratzinger, Die Volkswirtschaft in ihren sittlichen Grundlagen,
2. Ausl., 1895, S. 420 ff.