fullscreen: Antike Wirtschaftsgeschichte

154 Achtes Kapitel. Ausbau und Ende der antiken Weltwirtschaft. 
ihren Handel mit Asien und den Ländern des Nordens, wichtig, 
zu einer Zeit, da die Türken bereits ihre Macht entfalteten. Wenn 
auch das umliegende Gebiet, das einst dem Westen Getreide ge 
liefert hatte, nicht mehr im Besitze der Stadt war, sicherte der 
Handel dennoch dieser Griechenstadt bis tief ins Mittelalter hinein 
ihren Wohlstand. Wie ehedem tauschte sie Felle und gesalzene 
Fische gegen Luxusartikel und Jndustriewaren in Konstantinopel 
ein. Und so sehen wir denn, wie so manche wirtschaftliche Ver 
bindung aus den Zeiten der Antike im Mittelalter noch bestand. 
Der Ausgang der Antike stellt vom Standpunkt der Wirt 
schaftsgeschichte aus ein wechselvolles Bild dar. Die oströmischen 
Besitzungen besaßen ein noch immer wohlgeordnetes System von 
wirtschaftenden Individuen. Das staatliche Finanzwesen und der 
Handel dauerten trotz vieler ernster Störungen fort und hatten 
nie ganz aufgehört, nur die Personen wechselten allmählich, und 
die Zentralstellen wurden von neuen politischen Faktoren okkupiert. 
Die weströmischen Länder aber beginnen stark zu zerfallen, die ein 
zelnen Gebiete können nicht mehr mit einem regelmäßigen Handel 
rechnen, und es wird der Versuch gemacht, wieder auf kleinerem 
Gebiete sich das zu schaffen, was man braucht. Die Bedürfnisse 
sind für weite Kreise auf ein Minimum gesunken, sie können in 
engeren Wirtschaftsorganisationen befriedigt werden. So sehen wir 
denn neben den Gemeinden allenthalben Grundherrschaften ent 
stehen, die entweder in den neuen Reichen aufgingen oder selbst 
zu kleinen Reichen wurden. Die kirchlichen Zentren stellten solche 
wirtschaftliche Mittelpunkte dar, hier setzen planmäßige Or 
ganisationen der Wirtschaft ein. Auf dem Boden der verfallen 
den Ordnung bilden sich neue Organisationen von stärkerem Zu 
sammenhalt, während die wirtschaftliche Verknüpfung der Bewohner 
des Erdkreises untereinander stark zurückgegangen war. 
Nicht lange, und die Herren des Nordens drangen immer mehr 
im weströmischen Gebiet vor, um schließlich Italien in nächste Be 
ziehung zu den Wirtschafts- und Machtzentren Mitteleuropas zu 
setzen; der Osten erhielt lange seine Selbständigkeit, aber auch 
ihm drohte das gleiche Schicksal, die mitteleuropäischen Wirtschasts- 
mächte suchten neue Reiche im Gebiete Westroms zu gründen, wir 
sehen Ansturm auf Ansturm, mitteleuropäische Fürsten regieren 
im Bereiche des untergehenden oströmischen Reiches. Doch das 
glückliche Schicksal Italiens blieb Ostrom versagt, es wurde nicht 
dem höher kultivierten Mitteleuropa angegliedert, sondern einem
	        
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