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Da nun, wie die Erfahrung lehrt, die vom Staate geleiteten
wirthschaftlichen und industriellen Unternehmungen nur wenig und
öfter gar nicht ergiebig find, so würde im socialistischen Zukunfts-
staatc, der ja zugleich General-Eigenthümer und General-Producent
sein soll, von einem Wachsthum, des Nationalvermögens keine Rede
sein unb in Folge dessen würden unter seine Biirger noch weniger
Güter zur Vcrtheilung kommen können, als bei den gegenwärtigen
Staats- und Wirthschaftssystemen.
Es ist daher auch keineswegs, wie die Socialdemokratie fälschlich
behauptet, etwas Zufälliges, daß sich bei allen Völkern schon früh
zeitig das Recht des persönlichen Eigenthums herausgebildet hat,
sondern etwas ails dem Wesen des Menschen nothwendig Ent
wickeltes und der von der Natur in ben Menschen gelegte Trieb
nach Selbstständigkeit, Freiheit und demnach auch nach Besitzthum
ist so mächtig und unzerstörbar, daß alle auf ihre Beschränkung
oder gar Beseitigung gerichteten Allgriffe schließlich mit einer voll
ständigen Niederlage der Angreifer eildigen müßten.
Deshalb sagte auch der große Menschenkenner Schiller:
„Etwas muß er sein Eigen nennen,
„Oder der Mensch wird morden und brennen!"
und ein anderer Dichter ruft:
„Gieb dem Menschen einen nackten Felsen,
„Und er wird ihn mit bliihenden Obst- und Weingärten schmücken!"
Schon bei den ungebildeten Völkern behauptet der wilde Jäger
und Fischer ein Eigenthumsrecht auf das non ihm erlegte Wild,
auf die gefangenen Fische, auf die gesammelten Früchte des Waldes
unb der Fluren, auf die voll ihm errichtete Hütte, die angefertigten
Gerüthschaften und Kleidungsstücke.
Bei den nomadisirenden Völkerstänlmcil sind die Heerden Eigen
thum der einzelnen Familien, die während der Zeit ihres Aufent-
haltcs in einer Gegend bezüglich der Weideplätze ein geltendes
Besitzrecht ausiiben.