732
Knaben und 30 Mädchen. Für 36 Zöglinge zahlte die Kommune im
Jahre 1861 je 48 Thlr. und zu den Kosten der Ausstattung bei der
Entlassung je 10 Thlr. Der Verein hat bedeutende Geschenke und
Vermächtnisse schon 1834 von dem Stadrath Hollmann u. A. erhal
ten, so daß er bereits 1846 ein Kapitkl-Vermögen von etwa 100,000
Thlr. besaß; in letzter Zeit kam dazu das B e t h g e sche von 14,000 Thlr.,
das des Weinhändlers De del von 80,000Thlr. u. s. w. Im Jahre
1863 sind die Grundstücke am Tempclhofer Ufer zur Veräußerung aus-
geboten und die Erzichungshäuser werden später in die neuen Gebäude
(Johanniter-Straße) verlegt. Diese Gebäude sind zur Aufnahme von
80 Mädchen und 120 Knaben mit einem Kosten-Aufwande von 200,000
Thlr. eingerichtet. Vorsitzender des Vereins Präsident Camphausen.
— Es besteht bei der Anstalt ein Fonds unter dem Namen Semm-
ler-Bu ssescher Fonds, die Zinsen werden alljährlich dazu verwendet,
nach Bestimmung seiner Stifter, drei schön eingebundene Exemplare
des Berliner Gesangbuches anzukaufen und an die würdigsten Zöglinge
als Prämien am Charsreitrag zn vertheilen. Andere Wohlthäter, Gön
ner und Freunde der Anstalt haben diesen dreien noch einige weitere
Exemplare hinzugefügt.
Verein zur Erziehung verlassener Kinder weiblichen Geschlechts in Berlin.
Im Frühjahr 1857 begründet, begann er seine Thätigkeit damit, von
den ihm zugewiesenen Kindern die unglücklichsten bei Familien in der
Hauptstadt unterzubringen. Im Herbst 1858 eröffnete er mit den so
untergebrachten acht Kindern seine auf dem für 10,000 Thlr. erworbe
nen hinteren Grundstücke Potsdamer-Straße 119. errichtete Anstast,
welche nach dem jahrelangen Bewohner deffelben, Prediger Goßner,
die bisherige Benennung „Goßners Haus" beibehalten hat. Im
Jahre 1859 wurden von einem Ehepaar zwei Freistellen unter dem
Namen der „Margarethen-Stiftung" mit 3000 Thlr. begründet; daö
Kapital wird einstweilen verzinset und erst nach dem Tode der Stifter
gezahlt. Nach dem Jahresberichte für 18“-±- befanden sich 29 Kinder in
der Anstalt; in Familien untergebracht waren außerdem 7 Kinder und
zwar 5 außerhalb Berlins gegen Zahlung des vollen Pflegegeldes, 2
in Berlin gegen Zahlung eines Verpflegungszuschusses. Die Ausgabe
belief sich auf 5138 Thlr. Vorsitzender des Vereins ist General-Su
perintendent Dr. Hoffmann.
Bercin zur Förderung Moonschen Blinden-UnterrichtS.
Er besteht seit dem August 1860 unter dem Vorsitz des General-Su
perintendenten I)r. Hoff mann und hat den Zweck, den in Berlin
außerhalb der geschlossenen Anstalt wohnenden Blinden, vornämlich den
Erwachsenen, im Lesen nach der M o on scheu Blindenschrift, die aus we
nigen, einfachen, dem Tastsinn der Blinden sehr leicht faßlichen Zeichen
besteht, durch einen blinden Lehrer Unterricht ertheilen zu lassen, und
geeignete, nach diesem System gedruckte Schriften, sowohl geschenk- als
leihweise unter sie auszutheilen. Den meist armen und vielfach geistig
verwahrlosten Blinden der Stadt werden auch mancherlei Unterstützun-