Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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sollen, weil sie jener Macht des Naturgesetzes nicht widerstan 
den haben. Die Tendenz realisirt sich also stets in irgend 
welchem Maass, — ausgenommen, wenn der geistliche Beirath 
des Pastor Malthns und derjenige, den er durch seine Collegcn 
künftig ertheilen lassen will, befolgt worden ist. Es gieht 
zwar nach Malthns noch einen zweiten Wog, den Heimsuchun 
gen vorzuheugen und die Bevölkerung einzuschränken; dieser 
wird aber als derjenige des Lasters nur nebenbei in Rechnung 
gezogen. Doch ist kaum zu glauben, dass die letztere Ansicht bei 
Malthns mehr als eine traditionelle, halb unbewusste Heuchelei 
gewesen sei. Der sittliche Ernst gegenüber den Schäden der 
Prostitution war in der Person von Malthns gar nicht möglich. 
Zu einem Ressentiment gegen die wahren Gebrechen der Ge 
sellschaft fehlte es ihm an der Kraft eines natürlichen Gefühls. 
Ausserdem war er, wie sich schon durch die Parteistellung 
gegen den Philanthropen Godwin klar bezeichnet fand und auch 
durch die weitere Malthussche Haltung erwiesen wird, ein zu 
ausgesprochener Anhänger des Verkehrten in den bestehenden 
Zuständen, als dass es ihm hätte einfallen können, an irgend 
eine Reform zu denken, die nicht nach rückwärts gewiesen und 
die Einschnürung zum Zweck gehabt hätte. 
Wird die angebliche Grenze der Bevölkerung dem soge 
nannten Naturgesetz gemäss überschritten, so bestehen die zu 
rückdrängenden Mittel, die das Gleichgewicht zwischen Nahrung 
und Bevölkerung nach dem Plane des Malthusschen Herrgotts 
wieder herzustellen haben, in Krieg, Seuchen und Noth. Die 
vermeintlich zu stark aufgeschossene Bevölkerung wird durch 
diese drei grossen Mittel wieder decimirt. Offenbar ist nun 
gegen diese sogenannten „positiven Einschränkungen" kaum 
ein Wort der Kritik nöthig. Doch möchte die Erwähnung des 
Krieges als etwas bezeichnet werden können, was bei Jemand, 
der die volkswirthschaftlichen Wirkungen desselben kennt, 
einigen Humor erregen muss. Die unmittelbare Wirkung der 
Kriege besteht regelmässig darin, die Fähigkeit der Production 
ganz unverhältnissmässig stärker einzuschränken, als die An 
zahl derjenigen, welche auf Nahrung Anspruch machen. Der 
unmittelbare Menschenverlust und die Lücken in den Beschäf 
tigungen haben im Vergleich mit der Störung aller productiven 
und existenzschaffenden Thätigkeiten kaum eine Bedeutung. 
Rechnet man aber diese indirecten Verwüstungen der volks-
	        
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