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Isolirung des vorausgcse tzten Wirthscliaftsgcbildes und wir
kennen bereits die Art derselben. Jene Wildniss, die den iso-
lirton Staat umgiebt, ist Nichts als das Auf hören der au sschliess*
lieh von dem städtischen Mittelpunkt her bedingten Cultur.
Der landwirthschaftliche Reingewinn ist hiebei als die ent
scheidende Ursache dos Bodenanbau s gedacht. Er ist das be
wegende Interesse, mit dessen Wegfall auch die Bewirthscliaf-
tung verschwindet. Man sieht hienach, dass die Bodencultur
gleichsam am Faden der Rente hängt und ihren Schwerpunkt
nicht etwa in der Arbeit hat, die sich an Ort und Stelle ver
sorgt, und vermöge deren eine örtlich beschränkte Existenz
auch ohne eine durch den centralen Markt der grossen Stadt
erzeugte Rente denkbar ist. Zu einer solchen Voraussetzung
berechtigt allerdings jedes sociale Regime, in welchem die
Production vorherrschend durch das Interesse der Rente be
stimmt wird. Man darf aber nicht übersehen, dass diese Thü-
nensche Annahme die ganze Einseitigkeit einer Productions-
weise bloslegt, die nicht im Interesse des Arbeiters, sondern
in demjenigen des Erzielers von Rente ihr Daseinsprincip
suchen muss.
PI In Wirklichkeit ist das Vorhandensein landwirthschaftlicher
Production ursprünglich sowenig an das Dasein eines centralen
städtischen Marktes gebunden, dass sich vielmehr umgekehrt
die Mittelpunkte der Industrie erst wie eine zweite Schöpfung
auf der Grundlage des zerstreuteren Ackerbaus ausbilden. Wer
also die Entwicklung der gegenseitigen Beziehungen zwischen
Stadt und Land feststellen will, muss vor allen Dingen die
Bildung • der kleinen und grossen Knotenpunkte des Verkehrs
und der Industrie erklären. Da jedoch die Wirkungsart in der
ontgogongesotzton Richtung, nämlich die peripherische Beherr
schung und Gestaltung der ländlichen Cultur von einem städti
schen oder sonst industriellen Mittelpunkt aus, ebenfalls eine
Wahrheit und in der spätem Entwicklung der Verhältnisse
sogar die am meisten in die Augen springende Thatsache ist,
so muss es erlaubt sein, diese eine Richtung der Einwirkung
selbständig zu coustruiren, und hierin liegt die Berechtigung
zu dem Thünenscheu Schema. Ja das letztere ist noch dadurch
besonders zutreffend, dass es gleichsam die Zugkraft veran
schaulicht, mit welcher die Ausdehnung und Gestaltung des
Bodenanbaus von einem stark consumirenden Centrum bewerk-
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