Manche Lehensträger des Königs gaben das königliche Lehen
an andere Vasallen zu eigen und kauften es dann mit Geld als
eigen zurück®?).
Diese Umgestaltungen und Verwertung von königlichen
Lehen zur Bereicherung der Lehensinhaber hatten augenscheinlich
schon am Ausgang des 8. Jahrhunderts große Dimensionen an-
genommen und waren zu empfindlicher Schädigung des Königs-
gutes gediehen, denn die Kapitulariengesetzgebung beschäftigte
sich immer wieder damit. Um 807 (?) erging ein Befehl Karls des
Großen, es sollten die Missi eine genaue Untersuchung der könig-
lichen Lehen vornehmen und Aufzeichnungen darüber anlegen.
Vor allem sollte Bericht erstattet werden, ob die Alode der
Lehensträger besser instand wären als das Lehensgut, da in Er-
fahrung gebracht sei, daß einige Vasallen ihr Lehen verödet ließen,
ihre Eigengüter dagegen aufgebessert hätten‘).
Im ganzen ergibt sich aus diesen sowie jüngeren Kapitularien,
daß schon im 8. Jahrhundert Lehen auch zu dem Zweck erteilt
wurden, um das Königsgut in entsprechendem Zustand zu er-
halten und nicht veröden zu lassen. Ja, in einem Aachener Kapi-
tulare (801—813) hat Karl der Große geradezu angeordnet, daß
alle Benefiziare das Lehensgut bessern sollten®). Zugleich aber
erhellt auch, daß die Lehensträger selbst liegende Eigengüter
außerdem besaßen, ja auch in der Lage waren, den Ankauf solcher
mit Geld zu bewerkstelligen. Das entspricht durchaus dem, was
früher über das Verhältnis von Natural- und Geldwirtschaft zur
Karolingerzeit auf Grund der Quellen festgestellt werden konnte®).
Überdies sind bereits Belege aus den Quellen der Karolingerzeit
dafür nachgewiesen worden, daß die Verleihung oder VWieder-
verleihung mit Geld erkauft wurde®®). Damit ist der schlagendste
Gegenbeweis wider jene Theorie erbracht, die annimmt, daß das
Lehenswesen der Karolingerzeit eine naturalwirtschaftlich bedingte
Zahlungsform sei, weil man damals kein Geld hatte.
82) Ebda. c. 7: audivimus, quod aliqui reddunt beneficium nostrum ad
alios homines in proprietatem, et in ipso placito dato pretio conparant ipsas
res iterum sibi in alodem.
%) Ebda. 5.136 C. 4.
%) Ebda. 171 c. 4: ut hi qui beneficium -nostrum habent, bene illud
inmeliorare in omni re studeant,
%) Siehe oben S. 134 ff.
$) Vgl. Waitz VG. 42, 190 n. 2 sowie 228.