Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

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RUSSLAND  —  Land  und  Leute.

Iwan  II.  unterwarf.  Da  es  aber  nicht  der  Umfang  eines  beinahe  gar
nicht  angebauten  Landes  ist,  wodurch  die  Bedeutung  eines  Staates
bestimmt  wird,  so  blieb  Russland  bis  zur  Zeit  Peter  des  I.  bei  den
Culturvölkern  fast  ganz  unbeachtet.  Peter  erwarb  1707  das  neuentdeckte ­
  Kamtschatka;  ferner  durch  den  Nystädter  Frieden,  1721,  von
Schweden:  Ingermanland,  Karelen,  Theilc  von  Fin-,  dann  Esth-  und
Livland;  das  1699  von  den  Türken  eroberte  Azow  ging  1711  wieder
verloren;  dagegen  entriss  der  Czar  1723  den  Persern:  Daghestan,
Schirwan,  Chilan  und  Derbent,  wovon  indess  1732  und  36  bedeutende
Theile  wieder  eingebüsst  wurden.  —  1731  unterwarfen  sich  die  Kirgiskaisaken
  dem  Schutze  Russlands;  ähnlich  1742  die  Osseten;  auch
wurden  die  Ostspitze  Sibiriens,  die  Aleuten  und  Beringsinseln  entdeckt
und  dem  Reiche  ein  verleibt.  —  Die  finländische  I’rovinz  Kymenegard
wurde  durch  den  Frieden  von  Abo,  12.  August  1743,  gewonnen.  —
Unter  Katharina  der  II.  erfolgten  die  3  Theilungen  Polens,  1772,
93  und  95.  Russland  erlangte  fast  %  dieses  einst  mächtigen  Reiches.
Der  Friede  von  Kutschuk-Kainardschi,  22.  Juli  1774,  entriss  den
Türken  Azow,  einen  Th  eil  der  Krim  (der  andere  Theil  ward  1783  in
Besitz  genommen)  und  die  Kabardei;  der  Friede  von  Jassy  sodann,
9.  Jan.  1792,  auch  Oczakow  sammt  Gebiet.  Grusien  kam  1783  unter
russischen  „Schutz,“  Curland  und  Scmgallen  huldigten  1793.  —  1797
Eroberung  des  persischen  Gebiets  bis  an  den  Kur.  1801  förmliche
Unterwerfung  Grusiens.  Obwohl  in  dem  Kriege  von  1807  durch
Napoleon  geschlagen,  erlangte  Jtussland  dennoch  im  Tilsiter  Frieden,
7.  Juli,  die  seinem  Verbündeten,  Preussen,  durch  die  Franzosen  abgenommene ­
  Provinz  Bjalystok.  Der  Friede  von  Wien,  14.  Oct.  1809,
verschaffte  Russland  den  Tarnopoler  Kreis  und  einen  Theil  Ostgaliziens,
mit  400,000  Menschen,  von  Oesterreich;  der  Friede  von  Friedrichsham,
  17.  Nov.  1809,  entriss  den  Schweden  ganz  Finland;  jener  von
Bucharest,  28.  Mai  1812,  nahm  ebenso  den  Türken  Bessarabien  ;  jener
von  Tiflis,  1813,  den  Persern  bedeutende  Besitzungen  im  Kaukasus.
Endlich  gab  der  Wiener  Congress,  1815,  das  jetzige  Polen  an  Russland. ­
  Nach  neuen  Kriegen  verloren  die  Perser,  zufolge  des  Friedens
von  Turkmanschai,  22.  Febr.  1828,  die  Provinzen  Eriwan  und  Nachitschewan
  (nun  Neu-Armenien,  500  Q.-Meil),  und  die  Türken  durch
den  Frieden  von  Adrianopel,  2.  Sept.  1829,  Anapa,  Poti,  Achalzik
und  Achalkalaka  (über  100  Q.-M.).  —  Das  Gelüste,  sich  weiterer
Theile  des  Besitzthums  des  Sultans  („des  kranken  Mannes“)  zu  bemächtigen, ­
  veranlasste  1853  den  neuen  Krieg,  an  dem  sich  1854
Frankreich  und  England,  später  auch  Sardinien,  betheiligten,  und  der
mit  dem  Pariser  Frieden  vom  31.  März  1856  endigte,  welcher  Friedensvertrag ­
  seit  länger  als  einem  Jahrhunderte  zum  ertsenmalo  die  Russen
wieder  zu  einer  Gebietsabtretung  ohne  Entschädigung  nöthigte,  indem
sie  das  linke  Ufer  der  Donau  in  Bessarabien,  etwa  205  Q.-M.  mit
ungefähr  180,000  Einw.  (wobei  die  Festungen  Ismail  und  Kiala)  an
die  unter  türkischer  Oberlehnsherrschaft  stehende  Moldau  zurückgeben
mussten.  —  Zu  ähnlichen  Rückgaben  sah  sich,  wie  oben  erwähnt,  Russland ­
  in  früherer  Zeit  mehrmals  genöthigt,  allein  immer  betrachtete  es
            
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