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und Milderung möglich sind. Mit dem Motto- „Erkenne Dich selbst!"
müssen auch alle kaufmännischen Resormbestrebungen ausgerüstet sein, und
das Ergebnis dieser Selbsterkenntnis in Wort und Schrift ist mit Hintansetzung
aller übrigen Gegenstände zu verbreiten. Denn die Kenntnis
weniger Bevorzugter nützt der Besserung nichts. Der ganze Stand muß
durch den Eindruck der Feststellungen in Bewegung geraten.
Ferner muß jedenfalls das Eine für die weitere Wahl der Verbessernngsmittel
festgehalten werden, daß dieselben die technische Vervvllkommnung
des kaufmännischen Betriebs nicht hemmen oder gar beseitigen.
Im Fortschritt und in der Anpassung an die modernen Verkehrsbedürfnisse
liegt der Lebensnerv des Handels; diesen Nerv unterbinden, hieße den
Handel töten. Die Scheidung in Groß- unb Kleinhandel, das allmähliche
Überwiegen des ersteren mit seinen ungeheueren Vorteilen für das Publikum,
dem doch der Handel nur dient, sowie die weitgehende Arbeitsteilung innerhalb
der Großbetriebe — alle diese Dinge sind nicht mehr aus der Welt
zu schassen, ohne die Aufhebung civilisatorischer Fortschritte. Wollte man
mit Gewalt zu den alten einfachen Wirtschafts- und Gesellschaftsreformen
des Handels zurückkehren, so verführe man wie derjenige, welcher wieder
die Posten statt der Eisenbahnen einführen wollte. In der Beobachtung
dieses Hauptgrundsatzes liegt das Geheimnis einer vernünftigen Verbessernngsthütigkeit,
und behält man diesen Grundsatz stetig im Auge, so
ergeben sich die weiteren Mittel zur Abhülfe ganz von selbst.
Schon ohne jeden gleichsam operativen Eingriff in die bestehenden Mißstände
kann zunächst unter den heutigen Verhältnissen eine gut organisierte
Stellenvermittlung viel zur Besserung thun. Wir sahen oben, daß
das plötzliche, ohne jede persönliche Schuld des Prinzipals eintretende Zusammenbrechen
eines Hauses unter bein übermächtigen Drucke schneller Vermögensverschiebnngen
heute nicht mehr zu den Seltenheiten gehört. Aus
solche Weise wird öfters im Westen Deutschlands eine größere Anzahl von
Gehülfen stellenlos, für welche im Norden, Süden und Osten Plätze vorhanden
sind, nur daß die Stellenlosen wegen der gegenwärtigen Zersplitterung
der Stellenvermittlung nicht rasch genug oder überhaupt keine Nachricht davon
bekommen. Bestände das letztere Hindernis nicht, so wäre ein Teil der Brotlosen
relativ schnell unterzubringen. Man wird einwenden, daß für jede Gegend besondere
Ortskenntnisse notwendig wären, die bei solchen Kandidaten nicht immer
vorhanden sind. Das mag in vielen Fällen zutreffen, in vielen aber auch nicht.
Denn das Überhandnehmen der großen Betriebe egalisiert nach und nach
die Betriebsweise in Osten und Westen, im Norden und Süden; ein großes
Warenhaus in Königsberg dürfte kaum nach anderen Grundsätzen geleitet
werden, als ein solches in München oder Hamburg, -vie Möglichkeit der
raschen Placierung nimmt also stetig zu. Rasch placiert kann aber nur
werden, wenn die Stellenvermittlung mehr und mehr vereinheitlicht und
von einem Mittelpunkt aus übersehen wird. Der Frankfurter Verein ist
ja in dieser Hinsicht schon bahnbrechend vorangegangen, durch seine bekannten
Verträge mit anderen Vermittlungsanstalten. An diesen vielverheißenden
Ansang ist anzuknüpfen und mit der Zeit ein zusammenhängendes
Stellenvermittlnngsnetz über ganz Deutschland zu breiten, dessen