fullscreen : Probleme der Wirtschaftsgeschichte

VI. Großhändler und Kleinhändler im deutschen Mittelaltee. 309
zelnen Stadt, stark wechseln. Allen übrigen Bürgern wird nur
der Großhandel in diesen Branchen zugestanden. Namentlich
dürfen auch die Gewandschneider im Gebiet der Krämer!'),
diese ebenso im Gebiet jener nur Großhandel treiben.
Zur Bezeichnung des Umsatzes im großen begegnet oft
der Ausdruck „samptkaut’’?). Das Gegenteil ist das Verkaufen
im einzelnen ~ ..ze einzeht“, wie es im Oberdeutschen?), „entelen“,
 wie es im Niederdeutsschen®') gelegentlich, „phenwertsweis
 (penwertswis)‘®), wie es hier wie dort häufig heißt. Indessen
 sind dies nur allgemeine Andeutungen des Gegensatzes.
Damit kein Zweifel über die von der städtischen Sozial- und
Wirtschaftspolitik verlangte Grenze zwischen Groß- und Kleinhandel
 bestand, bedurfte es offizieller Maßfestsekungen. Wir
finden daher, daß die Beschränkung auf den Großhandel durch
die Angabe eines Minimalmaßes ausgedrückt wird, unter das
der betreffende Händler nicht himmuntergehen darf. Je nach
der Natur der Waren wird ein Gewichts-, Hohl-, Längenmaß
1) Vergl. z. B. Hegel, Städte und Gilden, Bd. 2, S. 411 über
Göttingen: der Gewandschneider darf nicht Barchent, Wachs, Butter,
 Honig usw. im kleinen (entelen) verkaufen, sondern nur im großen
 (samtkopes); im kleinen darf diese Dinge nur der Krämer verkaufen.
 Vergl. Borgius, Wandlungen im modernen Detailhandel,
Archiv für soziale Gesetzgebung, Bd. 13, S. 44.
2) Vergl. z. B. Christian Meyer, das Stadtbuch von Augsburg
S. 39. Boos, Quellen zur Geschichte der Stadt Worms, Bd. 3 S. 647 f.
\ssammenkauf). Vorhin die Anm. 1.
3) Stadtbuch von Augsburg, S. 41.
4) S. vorhin Anm. 1.
5). Zusammengezogen aus phennincwert. Das Wort bedeutet:
1. was einen Pfennig wert ist, Kleinigkeit; in geringen Quantitäten,
en détail; 2, was Geldeswert hat, Verkaufsartikel, Ware. Lerer,
Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, Bd. 2, S. 240. Schiller-Lübben,
 Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bd. 3, S. 318 f. In dem
ersteren Sinne steht das Wort z. B. im Stadtbuch von Augsburg,
S. 201, § 2. S. ferner Boos, Geschichte der rheinischen Städtekultur,
Bd. 2,, S. 125; Bücher, Entstehung der Volkswirtschaft (2. Aufl.),
S. 98; Geering, Handel und Industrie der Stadt Basel, S. 229;
Hirsch, Danzigs Handelsgeschichte, S. 203; Moltke a. a. O., S. 17 f.
Bär. Koblenz S. 200 F 4: grobe pennwert.
            
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