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knecht rühmte sich noch 1895, dass er als oberster Leiter aller
Parteiorgane in den Jahren 1875 bis 1878 in seiner Parteipresse
nur den „Mistgabelstil“ zur Anwendung gebracht habe. In der
Tat war die damalige Verhetzung der Genossen in Wort und
Schrift und die tägliche freche Verhöhnung aller Heiligtümer des
deutschen Volkes einfach unbeschreiblich. So war nicht zu verwundern,
dass die mit Herrn Liebknechts „Mistgabelstil“ ausgestreute
Saat schliesslich zu Versuchen des Kaisermordes
reifte. Am 11. Mai 1878 schoss der noch nicht 21jährige Genosse
Max Hödel aus Leipzig — dem damaligen Hauptquartier der Parteiführer
— unter den Linden in Berlin auf das geweihte Haupt
Kaiser Wilhelms, das unversehrt blieb. Der Mordbube wurde
überführt, mit vollbewusster Ueberlegung gehandelt zu haben und
nach Fug und Recht enthauptet. Herr Liebknecht aber erklärte
ihn für „wahnwitzig“, dann für ein von der Polizei gedungenes
Werkzeug, und als das alles nicht verfing, schrieb er in seinem
„Vorwärts“: „Auf die Anklagebank! Nicht mit dem Verbrecher !
Nein, mit der Gesellschaft!“
Schon einen Tag nach Hödels Attentat, am 12. Mai, erliess
Bismarck, der in Friedrichsruh an Gürtelrose erkrankt war, die
Weisung an die preussischen Minister, ein Gesetz gegen die
Sozialdemokratie dem Bundesrat vorzulegen. Bereits am
20. Mai wurde der vom Bundesrat genehmigte Entwurf dem Reichstag
unterbreitet. Er war indess in seiner Fassung kaum annehmbar,
da er in § 1 bestimmte: „Druckschriften und Vereine, welche
die Ziele der Sozialdemokratie verfolgen, können vom Bundesrat
verboten werden“, und damit auch berechtigte „Ziele“, ja wissenschaftliche
Erörterungen dom Verbot aussetzte! Zudem war aber
der Bundesrat, d. h. eine nur während einiger Monate des Jahres
versammelte und nach den Instruktionen der Einzelstaaten abstimmende
Behörde durchaus nicht geeignet, diese verbietende
Tätigkeit auszuüben! Noch bedenklicher fast war aber der § 2
der 11. Vorlage, der dem Reichstag die Nachprüfung der vom Bundesrat
erlassenen Verbote und die Befugnis ihrer Aufhebung zuteilte.
Eine Versammlung von 400 Köpfen, die gleichfalls nur einige
Monate lang versammelt war, sollte über jede Beschlagnahme
richten! Und wenn sie aufgehoben wurde, triumphierte die Sozialdemokratie.
Diese Bedenken machte namentlich der Führer
der Nationalliberalen v. Bennigsen geltend, worauf die Vorlage
am 21. Mai mit 251 gegen 57 Stimmen abgelehnt und der Reichstag
geschlossen wurde.
Da beging am 2. Juni ein zweiter sozialdemokratischer Genosse,
Dr. Nobiling, abermals einen Mordversuch gegen Kaiser
Wilhelm und verwundete den Heldengreis schwer durch etwa 40
Schrotkörner am Kopfe, an beiden Armen und im Rücken. Dieser
Meuchelmörder entzog sich durch einen Selbstschuss in den Kopf
der irdischen Gerechtigkeit. Schon am 3. Juni traf der nur halbgenesene
Bismarck in Berlin ein. Nach seinem Vorschlag wurde