Full text : Die Sozialpolitik Bismarck's

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V.  Bismarck  seinen  Reitknecht  Hildebrand  vom  Tode  des  Ertrinkens
aus  dem  Wendelsee  bei  Lippehne.  Kein  feindseliges  oder  geringschätzendes ­
  Wort  gegen  deutsche  Arbeiter  hat  Bismarck  dann  als
konservativer  Führer  im  Vereinigten  Preussischen  Landtag  (1847,
1848),  im  Erfurter  Parlament  (1849)  und  im  Preussischen
Landtag  (184y  bis  1851)  gesprochen,  wohl  aber  manches,  das
jedem  Unbefangenen  bewies,  wie  herzlich  gut  der  verschrieene
„Junker“  dem  deutschen  Arbeiterstand  gesinnt  sei.  Dann  wurde
er  1851  bis  1859  preussischer  Vertreter  heim  Bundestag  in  Frankfurt ­
  a.  M.,  1859  preussischer  Gesandter  in  Petersburg  und  1860
bis  1862  preussischer  Gesandter  in  Paris.  Und  in  diesem  Jahrzehnt ­
  hat  Bismarck  in  amtlichen  Berichten  und  vertraulichen
Briefen  und  Schreiben  eine  grosse  Fülle  von  Ratschlägen  und
Mahnungen  nach  Berlin  gerichtet,  die  das  Wohl  des  gesamten
deutschen  Volkes,  namentlich  auch  der  Arbeiter,  durch  eine  kräftige ­
  nationale  Politik,  namentlich  Wirtschaftspolitik  Preussens,  zum
Ziele  hatten.
Als  Bismarck  dann  im  September  1862  preussischer  Ministerpräsident ­
  geworden  war,  nahm  ja  der  schwere  innere  Konflikt,
der  in  Preussen  von  1860  bis  1866  zwischen  Regierung  und  Volk
aus  Anlass  der  von  König  Wilhelm  und  seinen  Beratern  (Roon,
Moltke,  Bismarck  etc.)  für  dringen^  notwendig  erachteten  grossen
preussischen  Heeresreform  in  immer  steigender  Heftigkeit  sich
geltend  machte,  Bismarcks  amtliche  Tätigkeit  ganz  wesentlich,
und  in  den  ersten  Monaten  seiner  neuen  Würde  vorwiegend  in
Anspruch.  Dennoch  aber  verfolgte  Bismarck  schon  im  Frühjahr
1363  mit  wohlwollendster  Aufmerksamkeit  die  ersten  Versuche
der  Gründung  einer  Arbeiterpartei  in  Deutschland  durch  Ferdinand ­
  Lassalle.  Allerdings  stand  Lassalle  und  der  von  ihm
1863  ins  Leben  gerufene  „Allgemeine  deutsche  Arbeiterverein“
ganz  auf  nationalem  Boden.  Der  Verein  umfasste  nur  Deutsche
und  nur  zu  „friedlichen  und  gesetzlichen  Zwecken“.  Das  Statut
des  Vereins  erklärte,  dass  die  soziale  Frage  zu  lösen  sei  mit  Hilfe
von  zwei  Mitteln,  die  es  forderte:  mit  dem  allgemeinen,  gleichen
und  direkten  Wahlrecht;  denn  dieses  werde  „eine  genügende  Vertretung ­
  der  sozialen  Interessen  des  deutschen  Arbeiterstandes  ermöglichen, ­
  eine  wahrhafte  Beseitigung  der  Klassengegensätze  der
Gesellschaft“.  Das  andere  Heilmittel  aber,  „Staatshilfe  für  Produktivassoziationen“, ­
  werde  die  Arbeiter  dem  Drucke  des  sogenannten ­
  „ehernen  Lohngesetzes“  entziehen  !
Leider  starb  Lassalle  schon  1864  —  er  fiel  in  Genf  im  Duell
—  ,  so  dass  die  unter  seiner  Leitung  vielversprechende  Bewegung
in  weniger  fähige  Hände  geriet.  Bismarck  war  dem  geistvollen ­
  Arbeiterführer  auch  persönlich  näher  getreten.
Eine  Verbindung  Beider  zu  gemeinsamem  Handeln,  zu  gemeinsamen
Zwecken  —  wie  die  Legende  unserer  Sozialdemokratie  sie  erdichtet,
und  Herr  Bebel  noch  1878  auf  die  Tribüne  des  Reichstags  geschleppt ­
  hat  —  eine  solche  hat  nie  bestanden,  nicht  direkt  und
            
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