Full text : Die Sozialpolitik Bismarck's

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auch  nicht  durch  Mittelspersonen.  Als  Herr  Bebel  diese  Märchen
am  16.  September  1876  im  Reichstag  vorgebracht  hatte,  nannte
sie  Fürst  Bismarck  am  17.  September  „Lügen“,  die  Herr  Bebel
sich  habe  auf  binden  lassen  und  sagte:  „Wenn  er  (Bebel)  diese
Zusammenstellung  von  Wahrem  und  Falschem  selbst  erfunden
hätte,  nun  dann  hätte  er  vielleicht  Talent,  Korrespondent  der
,Times 1  oder  sonst  einer  grösseren  Zeitung  zu  werden  (Heiterkeit)
und  ich  könnte  ihm  diese  einträgliche  Beschäftigung  empfehlen.“
„Im  übrigen  kann  ich  versichern“,  fuhr  Bismarck  fort,  „dass
ich  nie  in  meinem  Leben  mit  irgend  einem  Sozialdemokraten  geschäftlich ­
  verhandelt  habe  und  kein  Sozialdemokrat  mit  mir;  denn
Lassalle  rechne  ich  nicht  dazu,  das  war  eine  viel  vornehmere
Natur,  als  seine  Epigonen“  (Nachfolger),  „das  war  ein  bedeutender ­
  Mann,  mit  dem  konnte  man  wohl  sprechen.  Lassalle  selbst
hatte  ein  dringendes  Bedürfnis,  mit  mir  in  Beziehung  zu  treten,
und  ich  habe  es  ihm  auch  gar  nicht  schwer  gemacht.  Ich  habe
ihn  gesehen,  und  von  dem  Augenblicke  an,  wo  ich  mit  ihm  eine
Stunde  gesprochen,  habe  ich  es  nicht  bereut.  Ich  habe  ihn  nicht
in  jeder  Woche  drei-  bis  viermal  gesehen“  —  wie  Bebel  behauptet
hatte  —  „sondern  im  ganzen  dreimal,  meinethalben  viermal,  ich
weiss  es  nicht.  Unsere  Beziehung  konnte  gar  nicht  die  Natur
einer  politischen  Verhandlung  haben.  Was  hätte  mir  Lassalle
bieten  oder  geben  können  ?  Er  hatte  nichts  hinter  sich.  In  allen
politischen  Verhandlungen  ist  das  do  ut  des“  (ich  gebe,  damit
Du  gibst)  „eine  Sache,  die  im  Hintergründe  steht,  auch  wenn
man  anstandshalber  einstweilen  nicht  davon  spricht  (Heiterkeit).
Lassalle  hatte  nichts,  was  er  mir  als  Minister  hätte  geben  können.
Was  er  hatte,  war  etwas,  was  mich  als  Privatmann  ausserordentlich ­
  anzog  :  er  war  einer  der  geistreichsten  und  liebenswürdigsten
Menschen,  mit  denen  ich  je  verkehrt  habe,  ein  Mann,  der  ehrgeizig ­
  im  grossen  Stil  war,  durchaus  nicht  Republikaner;  er  hatte
eine  sehr  ausgeprägte  nationale  und  monarchische  Gesinnung,
seine  Idee,  der  er  zustrebte,  war  das  deutsche  Kaisertum,  und
darin  hatten  wir  einen  Berührungspunkt.  .  .  Den  kümmerlichen
Epigonen,  die  sich  jetzt  mit  ihm  brüsten,  hätte  er  ein  Quosego!“
(Ich  will  Euch!)  „zugeschleudert,  sie  mit  Hohn  in  ihr  Nichts  zurückgewiesen, ­
  und  würde  sie  ausser  stände  gesetzt  haben,  seinen
Namen  zu  missbrauchen.  Mit  ihm  zu  sprechen,  war  sehr  lehrreich; ­
  unsere  Unterredungen  haben  stundenlang  gedauert,  und
ich  habe  immer  bedauert,  wenn  sie  beendet  waren.  Von  Verhandlungen ­
  war  schon  deshalb  nicht  die  Rede,  weil  ich  in  unseren
Unterredungen  wenig  zu  Worte  kam  (Heiterkeit),  er  trug  die
Kosten  der  Unterhaltung  allein,  aber  er  trug  sie  in  angenehmer
und  liebenswürdiger  Weise.  Er  war  nicht  der  Mann,  mit  dem
bestimmte  Abmachungen  über  das  do  ut  des  abgeschlossen  werden
konnten“.
Dagegen  musste  nun  sowohl  der  „Allgemeine  deutsche
Arbeiterverein“  Lassalles  als  auch  Bismarck  mitäusserstem
            
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